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Albert Falk (1886 - 1950)

Zeuge Jehovas

16.10.1936 Verhaftung
13.11.1937 KZ Dachau
27.09.1939 KZ Mauthausen
18.02.1940 Rücküberstellung ins KZ Dachau
27.12.1940 Entlassung aus dem KZ Dachau


Albert Falk wurde am 30. Oktober 1886 in Finkenwalde bei Stettin geboren. Er heiratete die Freiburgerin Maria, geborene Kramer, und betrieb als Friseurmeister einen gutgehenden Friseursalon im Freiburger Stadtteil Stühlingen. 1922 oder 1923 trat er der  Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas bei.    

Das Ehepaar Falk gehörte zu einer Gruppe von sieben Personen aus Freiburg, die, verteilt auf zwei PKWs, Anfang September 1936 nach Luzern fuhren, um dort den Kongress der Internationalen Bibelforschervereinigung zu besuchen. Den deutschen Zeugen Jehovas war die Teilnahme von den deutschen Polizeibehörden verboten worden und Viele, die dennoch an der Veranstaltung teilgenommen hatten, wurden nach ihrer Rückkehr im Laufe der folgenden Wochen festgenommen und wegen Betätigung für eine verbotene Organisation zu Haftstrafen verurteilt. Albert Falk wurde am 13. Oktober 1936 verhaftet. Ende Februar 1937 verurteilte ihn das Sondergericht Mannheim wegen der Kongressteilnahme zu fünf Monaten, seine Frau zu einem Monat Gefängnis.

Zuerst verbüßte Maria Falk im April 1937 ihre Strafe, im Anschluss saß dann Albert Falk bis zum 20. September 1937 im Gefängnis. Eine Freilassung nach Strafende war jedoch nicht vorgesehen. Die Stapoleitstelle Karlsruhe hatte bereits Anfang September verfügt, dass Falk 

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Falk_SHbefehl
Schutzhaftbefehl für Albert Falk

nach Ende seiner Strafhaft in das "Bewahrungslager" Kislau zu verbringen sei. Hier wurden vorzugsweise die Gefangenen in Baden, für die Schutzhaft beantragt worden war, bis zu ihrem Abtransport ins KZ interniert. Der dazugehörende Schutzhaftbefehl erging am 21. September 1937.

Am 13. November 1937 wurde Albert Falk von Kislau ins Konzentrationslager Dachau überstellt. Er erhielt die Häftlingsnummer 1205, Kategorie "Sch.Bifo". In Dachau arbeitete Falk für einige Zeit zusammen mit Hermann Emter im KZ-Außenkommando Sudelfeld.1 1938 musste er sich - als KZ-Häftling (!) - erneut vor dem Sondergericht Mannheim verantworten wegen von ihm getätigter Aussagen über die schlechte Behandlung von Gefangenen. Das Verfahren wurde aber am 30. April 1938 eingestellt.

Am 27. September 1939 kam er, im Zuge der vorübergehenden Räumung des KZ Dachau, zusammen mit rund 1600 weiteren Dachau-Häftlingen, darunter zahlreichen Glaubensgenossen, in das KZ Mauthausen. Mitte Februar wurde er nach Dachau rücküberstellt. Dort klagte er zunehmend über Herzbeschwerden.

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Karteikarte der Häftlingsschreibstube Dachau zu Albert Falk

Am 27. Dezember 1940 wurde Albert Falk aus dem KZ Dachau entlassen, nachdem er die sogenannte "Widerrufserklärung" unterschrieben hatte. Zeugen Jehovas konnten so ihre sofortige Entlassung aus dem KZ bewirken, indem sie ihrem Glauben abschworen und sich verpflichteten, sich nicht mehr für die Internationale Bibelforschervereinigung zu betätigen.

Von seinem sehr wahrscheinlich von der KZ-Haft herrührenden Herzleiden konnte er nicht mehr genesen. Er starb am 2. Juli 1950 im Alter von 63 Jahren.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt die Wohnadresse von Albert Falk vor seiner Verhaftung, Wentzingerstraße 2 in Freiburg im Breisgau.


Quellen und Literatur

ITS Digital Archive, Arolsen Archives
1.1.6.7 Schreibstubenkarte Dachau, Albert Falk
1.1.6.2 Individuelle Unterlagen Dachau, Albert Falk

Generallandesarchiv Karlsruhe
507 Nr. 1074-1101; Kislau Gefangenenkarte; 507 Nr. 7942

Staatsarchiv Freiburg
F 196/1 Nr. 1399
F 196/2 Nr. 4591

Searching Dachau Concentration Camp Records in One Step (https://stevemorse.org/dachau/dachau.html)

Hubert Roser (Hg.): Freiburger Zeugen Jehovas unter der NS-Diktatur, Freiburg 2010.

Bildnachweise: ITS Digital Archive, Arolsen Archives, 1.1.6.7 Schreibstubenkarten Dachau, Albert Falk, Dokument Nr. 98181686

Schutzhaftbefehl aus: Hubert Roser (Hg.): Freiburger Zeugen Jehovas unter der NS-Diktatur, Freiburg 2010, S. 92, Staatsarchiv Freiburg F 196/1

 


© Text und Recherche:
Sigrid Brüggemann, Stuttgart
Stand: Mai 2021
www.kz-mauthausen-bw.de

 

1Das oberhalb von Bayrischzell gelegene "Berghaus am Sudelfeld", ein Ferienheim der SS, war Mitte 1938 fertiggestellt worden. Zum Bau der Zufahrtsstraße und bei der Errichtung von Nebengebäuden ab 1940 sowie zum Unterhalt der baulichen Anlage und der Bewirtschaftung wurden Dachauer KZ-Häftlinge eingesetzt. Während die Stärke des Außenkommandos je nach Jahreszeit zwischen 15 und 150 Häftlingen schwankte, blieb beständig eine Kernmannschaft von rund 50 Häftlingen im Berghaus, die im wesentlichen aus Angehörigen der Zeugen Jehovas bestand. Einige von ihnen erhielten sogar Vertrauensstellungen wie die eines „Hausmeisters“.