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Adolf Reinehr (1879 - 1941)

Die Scheidung warf ihn aus der Bahn

27.09.1939  KZ Buchenwald
07.03.1940  KZ Mauthausen
15.08.1940  KZ Dachau
07.08.1941 Tod im KZ Dachau

Adolf Reinehr wurde am 27. Oktober 1879 in Stuttgart-Feuerbach geboren. Sein im März 1937 verstorbener Vater Franz Reinehr war Schuhmacher. Die Familie lebte in den 1930er Jahren in der Steinhaldensiedlung in Bad Cannstatt. Reinehr war gelernter Maschinenschlosser, verheiratet und hatte fünf Kinder. Die Ehe wurde 1928 geschieden. Im selben Jahr begann seine kriminelle Laufbahn. Seine Eltern und Geschwister waren am Wohnort „gut angesehen“, das Verhältnis zu seinen Angehörigen sei durch „eigene Schuld“ ein „ungutes“ gewesen.

Am 26. Juli 1938 verurteilte das Stuttgarter Schöffengericht Adolf Reinehr wegen zweier „Verbrechen des Betrugs“ im Rückfall zu einem Jahr und einem Monat Zuchthaus. Angeklagt war er wegen einer Zechprellerei in Höhe von 50 Mark in einem Wirtshaus in Feuerbach. Der im Urteil genannte Rückfall ist eine Folge der 14 Gefängnisstrafen aus den Jahren 1928 bis 1937. Es handelte sich dabei um zwölf Verurteilungen wegen Betrugs, einer wegen Bettelns und einer wegen Körperverletzung. Die Zuchthausstrafe, zu der ihn das Stuttgarter Schöffengericht verurteilte, verbüßte er bis zum 18. Juli 1939 im Zuchthaus in Ludwigsburg. Eine Zuchthausstrafe bedeutete verschärfte Haftbedingungen und Zwang zu harter körperlicher Arbeit.

Am Entlassungstag war Reinehr auf Betreiben der Staatspolizei-Leitstelle Stuttgart ins Gefängnis nach Stuttgart überstellt und von dort später weiter ins Konzentrationslager gebracht worden. Im Stuttgarter Polizeipräsidium war er bekannt als einer, „(…) der seit Jahren hier wiederholt wegen Zechbetrugs anhängig und bestraft wurde. Er steht beim Polizei-Präsidium Stuttgart in "Trinkerfürsorge“. Im Urteil des Stuttgarter Schöffengerichts ist unter anderem vermerkt: „(…) Die Dauer und Häufung von Betrugshandlungen zeigt, dass auf den Angeklagten die bisherigen Strafen keinen nachhaltigen Eindruck gemacht haben. Der Angeklagte ist vielmehr allmählich in den letzten 10 Jahren so weit gesunken, dass jeder Mann, der mit ihm zu tun bekommt, Gefahr läuft, von ihm hereingelegt zu werden (…).“  Solcherart beurteilt zu werden verhieß in der nationalsozialistisch geprägten Gesellschaft nichts Gutes. Wie in zahllosen vergleichbaren Fällen bedeutete es auch für Reinehr die Einweisung in ein Konzentrationslager. Seine Zuchthausstrafe hatte er bis zum letzten Tag verbüßt. Dennoch war seine Freilassung in weite Ferne gerückt.

Image
Buchenwald
Karteikarte KZ Buchenwald

Seine erste Station war das KZ Buchenwald. Dort traf der als „wehrunwürdig“ Eingestufte am 26. September 1939 ein.  Er erhielt die Häftlingsnummer 6658 und wurde mit dem Kürzel "PSV" und dem grünen Winkel der "Kriminellen" gekennzeichnet. Bei seiner Ankunft wurden ihm alle persönlichen Dinge abgenommen. Am 07. März 1940 erfolgte sein Transport ins KZ Mauthausen und am 15. August desselben Jahres ins KZ Dachau. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 14427. Am 07. August 1941 ist er im KZ Dachau verstorben. In der von einem Standesbeamten beglaubigten Todesmeldung wird „Versagen von Herz und Kreislauf“ als Todesursache genannt. In der Regel waren die Todesursachen fingiert. Die meisten Häftlinge starben infolge der mörderischen Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Auf der Homepage „Searching Dachau Concentration Camp Records in One Step“ ist Adolf Reinehr genannt. Dies ist vermutlich ein erster öffentlicher Hinweis auf sein Verfolgungsschicksal.

Die Markierung auf der Übersichtskarte weist auf den letzten Wohnort vor der Verhaftung in der Talstraße 9 in Ludwigsburg.


Quellen

Staatsarchiv Ludwigsburg: E 356 d V Bü 2134

ITS Digital Archive, Arolsen Archives:
1.1.5 Inhaftierungsdokumente Buchenwald/ Adolf Reinehr
1.1.6 Inhaftierungsdokumente Dachau/ Adolf Reinehr

Searching Dachau Concentration Camp Records in OnIne Step https://stevemorse.org/dachau/dachau.html

Bildnachweis
ITS Digital Archive, Arolsen Archives: Karteikarte Buchenwald/ Adolf Reinehr


© Text und Recherche:
Ingrid Bauz, Stuttgart
Stand: Juli 2021
www.kz-mauthausen-bw.de