Alfred Grözinger (1904 - 1959)
Mitglied der Stuttgarter Widerstandsgruppe um Stefan Lovasz
13.01.1944 KZ Mauthausen
Alfred Grözinger wurde am 4. Juli 1904 in Stuttgart geboren. Nach acht Jahren Volksschule besuchte er im Rahmen seiner Ausbildung zum Kaufmann noch weitere drei Jahre die Städtische Handelsschule. Nach längerer Erwerbslosigkeit zu Beginn der 1930er Jahre war er schließlich bis zu seiner Verhaftung im Juni 1935 als Verwaltungsangestellter bei der Kreishandwerkerschaft Stuttgart beschäftigt.
Am 28. November 1931 heiratete er Martha Hoyler. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Politisch war Grözinger links orientiert und seit September 1930 Mitglied der Kommunistischen Partei (KPD).
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten fiel auch er den frühen Massenverhaftungen zum Opfer. Von März bis Ende Juni 1933 wurde er in dem Schutzhaftlager auf dem Heuberg festgehalten. Im Zuge der präventiven Verhaftungen von Arbeitersportlern im Zusammenhang mit dem Deutschen Turnfest im Juli 1933 nahm man ihn weitere drei Tage in Schutzhaft. Diese Verfolgungsmaßnahmen hielten Grözinger jedoch nicht davon ab, weiterhin für die nun illegale KPD zu arbeiten.
Als im Frühsommer 1935 durch den Verrat der Wicker-Brüder1 die Stuttgarter kommunistische Widerstandsgruppe um Stefan Lovasz aufflog, wurde am 18. Juni 1935 auch Alfred Grözinger, der eng mit Lovasz zusammengearbeitet hatte, verhaftet. Eine wichtige Aktivität der Gruppe hatte darin bestanden, Informationen über die geheimen Kriegsvorbereitungen in Großbetrieben wie Dornier oder Bosch zu sammeln und diese über Kontakte in der Schweiz ans Ausland weiterzuleiten.
Nach zwei Jahren ausgiebiger Gestapo-Ermittlungen, in deren Verlauf Dutzende weitere Beschuldigte festgenommen wurden, begann am 8. Juni 1937 der Prozess gegen die fünf Hauptangeklagten, darunter Alfred Grözinger, vor dem in Stuttgart tagenden 2. Senat des Volksgerichtshofes. Den belastenden Aussagen der beiden Beamten der Stuttgarter Stapoleitstelle, Gottfried Mauch und Wilhelm Rauschenberger, folgte das Gericht mit der Verhängung der Todesstrafe für Stefan Lovasz, Lilo Herrmann, Arthur Göritz und Josef Steidle wegen „Landesverrat in Tateinheit mit Vorbereitung zum Hochverrat“.
Grözinger widerrief vor Gericht seine bei der Gestapo gemachten Aussagen mit dem Hinweis, sie seien unter psychischer Folter erpresst worden (der Gestapobeamte Rauschenberger vor Gericht: „wir haben ja heute Mittel die Leute zum Sprechen zu bringen“). Dennoch rechnete Grözinger ebenfalls mit einem Todesurteil. Aber als einziger wurde er „nur“ wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt - zu zwölf Jahren Zuchthaus..2
Sechseinhalb Jahre seiner Strafe verbüßte Grözinger in den Zuchthäusern Ludwigsburg und Waldheim in Sachsen. Im Januar 1944 entzog die Gestapo Grözinger der Justiz und verbrachte ihn am 13. Januar 1944 in das KZ Mauthausen (Häftlingsnummer 41972), wo er die Befreiung des Lagers am 5. Mai 1945 erlebte.
Nach Stuttgart zurückgekehrt, bewarb er sich im November 1945 um eine Stelle im Staatsdienst: „Als politischer Mensch strebe ich nach einer politischen Stellung, sei es als Bürgermeister oder Landrat oder einem anderen selbstständigen Arbeitsbereich (...) Nach zehn Jahren Sklavenarbeit möchte ich jetzt eine Tätigkeit, die mir und anderen nützt.“
Grözinger wurde zunächst Bürgermeister in Schönaich. Von 1951 bis zu seinem Tod am 12. Januar 1959 war er dann als Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall angestellt.
Die Markoierung auf der Übersichtskarte zeigt seine Wohnadresse vor seiner Verhaftung: Hornbergstraße (bis 1935: Müllerstraße) 112 in Stuttgart-Ost.
Quellen und Literatur:
Staatsarchiv Ludwigsburg
EL 350 I Bü 1562
Lothar Letsche: Alfons und Eugen Wicker. Widerstandskämpfer ans Messer geliefert, in: Hermann G. Abmayr (Hg.): Stuttgarter NS-Täter. Vom Mitläufer bis zum Massenmörder. Stuttgart 2009, S. 160-169.
Ingrid Bauz u.a. (Hg.): Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern. Stuttgart 2013, S. 182–185.
© Recherche und Text:
Sigrid Brüggemann
Stand: Januar 2020
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