Anton Schmid (1899 - 1983)
Badischer „Gewitter“-Häftling
23.08.1944 KZ Natzweiler
06.09.1944 KZ Dachau
16.09.1944 KZ Mauthausen
31.10.1944 entlassen aus KZ Mauthausen
Anton Schmid (auch: Schmitt) wurde am 28. April 1899 in Homberg (Gemeinde Münchhöf, heute: Eigeltingen im Landkreis Konstanz) geboren. Ausgebildet als Maschinist, war er später als Gastwirt tätig. Verheiratet war er seit 1925 mit Anna, geb. Mayer und hatte mit ihr zwei Kinder (geb. 1925 und 1934). Die Familie wohnte in der Badstraße 34 in Müllheim im Markgräflerland. Dort befand sich auch die Gastwirtschaft zum Hirschen, genannt "Badhaus". Schmid hatte diese Gaststätte gepachtet und betrieb sie in Eigenregie.
Er war als politischer Gegner der Nationalsozialisten stadtbekannt und soll angeblich der KPD zumindest nahegestanden haben (sehr wahrscheinlich war er jedoch Mitglied der SPD). Vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 war er Gemeindeverordneter der Stadt Rheinfelden. Danach scheint er als NS-Gegner nicht mehr auffällig gewesen zu sein, zumindest liegt kein Hinweis darauf vor, dass er in der NS-Zeit vor seiner KZ-Einweisung im Jahr 1944 wegen politischer Aktivitäten irgendwelcher Art belangt worden wäre.
Am 22. August 1944 wurde er im Rahmen der reichsweiten Verhaftungsaktion „Aktion Gewitter“ von der Gestapo in Lörrach verhaftet. Die Gestapoaktion „Gewitter“ betraf ehemalige Funktionäre und Mandatsträger der Sozialdemokraten, Kommunisten und der Zentrumspartei sowie weiterer Parteien der Weimarer Republik. Mit Anton Schmid wurden im selben Zusammenhang u.a. auch die Sozialdemokraten Wilhelm Stump aus Kandern und Karl Joos aus Staufen verhaftet. Am folgenden Tag kamen sie in das Konzentrationslager Natzweiler im Elsass.
Im KZ Natzweiler nahm man Anton Schmid sämtlichen Kleidungsstücke ab, versah ihn mit Häftlingskleidung sowie der Häftlingsnummer 233782 und brachte ihn in Block 12 unter. Am 4./6. September 1944 wurde er per Sammeltransport von Natzweiler – das Stammlager wurde bedingt durch den Kriegsverlauf aufgelöst – in das KZ Dachau überstellt (Häftling Nummer 101612 "Sch" (Schutzhaft)). Hier kam er in das KZ-Außenlager Allach, wo für den Flugmotorenbau bei BMW gearbeitet wurde. Bereits am 14./16. September 1944 erfolgte jedoch, ebenfalls per Sammeltransport, die Überstellung in das Konzentrationslager Mauthausen, wo ihm die Häftlingsnummer 99185 zugeteilt wurde. Zum Arbeitseinsatz kam er in das nahegelegene KZ Gusen. Für die Rüstungsproduktion unter Tage mussten Stollen gegraben werden. Schmid war auch einer Transportkolonne für schwere Motoren und Werkzeuge zugeteilt.
Am 31. Oktober 1944 wurde er im KZ Mauthausen entlassen. Zwei Tage zuvor erhielt seine Frau durch das von der Gestapostelle Karlsruhe hierzu beauftragte Bürgermeisteramt die Aufforderung, ihren Mann im KZ Mauthausen abzuholen und zu diesem Zweck Zivilkleidung für ihn mitzubringen. Bei der Abholung wurde die Frau von einem Verwandten begleitet. Gleichzeitig mit Anton Schmid wurden sechs weitere südbadische "Gewitter"-Häftlinge aus dem KZ Mauthausen entlassen (Karl Joos, Emil Kohlbrenner, Richard Männle, Eugen Roth, Wilhelm Stump sowie Adolf Zachmann. Bis auf Letzteren waren sie alle Sozialdemokraten).
Aufgrund der KZ-Haft war Anton Schmid gesundheitlich stark mitgenommen. Zwar war er nur vergleichsweise kurze Zeit – 71 Tage – seiner Freiheit beraubt, doch hatte ihm die harte Arbeit bei gleichzeitig unzureichender Ernährung besonders im KZ-Mauthausen-Komplex schwer zugesetzt, so dass er an Hungertyphus erkrankte. Bei der Entlassung soll er nur noch etwa 46 Kilogramm auf die Waage gebracht haben. Über die anhaltenden pathologischen Nachwirkungen machte er folgende Angabe: "Herz und Nervenschwäche, oft bettlägrig, Erschöpfungszustände, Tabakrauch von Gaststube nicht zu ertragen". Bis Anfang März 1945 blieb er arbeitsunfähig.
Am 19. Oktober 1945 wandte er sich per Formularantrag an die Badische Landesstelle für die Betreuung der Opfer des Nationalsozialismus, Zweigstelle Müllheim, und wurde dann von dieser Einrichtung betreut. Am 25. November 1946 stellte er einen Antrag auf Wiedergutmachung. Der Fragebogen wurde befürwortend an das Badische Landesamt Freiburg weitergeleitet. Schmid erhielt in der Folge finanzielle Wiedergutmachungsleistungen für Schäden an Freiheit und Gesundheit.
Ein vierwöchiger Aufenthalt Ende 1947 im "KZ-Erholungsheim 'Haus Rubens' für politisch, rassisch und religiös Verfolgte" in Baden-Baden brachte keine nennenswerte Verbesserung seiner körperlichen Verfassung. 1951 gab er den Betrieb der Gastwirtschaft auf und zog mit seiner Frau und dem jüngeren Sohn (der ältere war im Krieg verschollen) in die Wehrgasse 28 in Müllheim. 1969 folgte ein weiterer Umzug nach Breisach. Seine Ehefrau verstarb 1972.
Anton Schmid starb am 25. August 1983.
Die Markierung auf der Übersichtskarte verweist auf seinen Wohnsitz zur Zeit seiner Verhaftung: Badstraße 34 in Müllheim im Markgräflerland.
Quellen:
Arolsen Archives
TD Nr. 784790
Doc. 124270839 (Anton Schmid)
Doc. 124270986 (Anton Schmid)
Doc. 10289384 (Anton Schmitt, Dachau)
Doc. 128454020 (Dachau)
Doc. 130432289 (Zugangsbuch Dachau)
Doc. 128452117 (Transportliste nach Mauthausen)
Staatsarchiv Freiburg
F 196/1 Nr. 1174 (Wiedergutmachung)
D 180/2 Nr. 223044 (Entnazifizierung)
© Recherche und Text:
Roland Maier, Stuttgart, September 2026
www.kz-mauthausen-bw.de