Eugen Neuner
(geb. 1898)
05.01.1943 KZ Mauthausen
Mai 1945 in Mauthausen befreit
Eugen Neuner wurde am 11. Februar 1898 in Hohenwart (heute ein Stadtteil von Pforzheim) geboren und katholisch getauft. Über sein Leben ist uns nur wenig bekannt. Als Beruf gab er Techniker und Goldschmied an. Laut seiner KZ-Häftlingspersonalkarte hatte er einige Kriegsverletzungen als Soldat im Ersten Weltkrieg erlitten. Er war geschieden, hatte ein Kind, und wohnte vor seiner letzten Verhaftung in der Rennfeldstraße 21 in Pforzheim.
1941 stand er zusammen mit vier weiteren Männern in einem Strafverfahren wegen Diebstahls, Hehlerei, Devisenvergehens u.a. in Pforzheim vor Gericht. Neuner firmierte hier als Schmuckwarenfabrikant, die anderen Angeklagten waren Goldschmiede und ein Graveur. Das Verfahren zog sich bis 1942 hin. Es ist durch Quellen nicht belegt, ob die Justiz gegen ihn Sicherungsverwahrung anordnete. Falls dies in der Zeit des Nationalsozialismus überhaupt erfolgt sein sollte – was wahrscheinlich ist -, dann müsste es bei diesem Strafverfahren gewesen sein.
Nachgewiesen ist lediglich, dass man ihn am 5. Januar 1943 aus der Sicherungsanstalt (Abteilung im Gefängnis, in die die Sicherungsverwahrten nach Strafverbüßung in den Maßregelvollzug überführt wurden) Straubing in das Konzentrationslager Mauthausen deportierte. Die Umstände sprechen dafür, dass die Deportation im Zuge der von der NS-Führung beschlossenem Auslieferung von Sicherungsverwahrten (teilweise auch von Gefangenen, die sich noch in Strafhaft befanden) an die SS erfolgte. Im KZ Mauthausen wurde er als Sicherungsverwahrter („SV“) registriert und erhielt die Häftlingsnummer 20642. Ab dem 23. Juni 1943 arbeitete er als Techniker bei DEST Rüstung Amtag. W.1 Während seiner KZ-Haft war er verschiedenen medizinischen Versuchen mit Impfstoffen ausgesetzt.
Im Januar 1959 bat das bayrische Innenministerium beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Arolsen um Nachforschungen über den Verbleib von Eugen Neuner, da er als Zeuge im Mordprozess des Landgerichts Kempten gegen den ehemaligen Lagerältesten Josef Schöps und den ehemaligen Blockältesten Adolf Stumpf des KZ Mauthausen gesucht wurde. Neben den Inhaftierungsdaten konnte der ITS aber lediglich die Auskunft erteilen, dass Neuners Name in einer Liste des Lagers Mauthausen, aufgestellt am 27.5.1945, mit dem Vermerk erscheint:
"The following German Criminel Prisoners left this concentration camp before any review of their case was made. It is not said that they violated any order in leaving."2 Offenbar hat Neuner also das Lager nach der Befreiung auf eigene Faust verlassen, ohne sich zuvor einer Überprüfung zu unterziehen.
Weiteres ist uns über Eugen Neuner nicht bekannt.
Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Eugen Neuners letzte frei gewählte Wohnadresse in der Rennfeldstraße 21 in Pforzheim.
- 1
DEST war die Abkürzung für das SS-Unternehmen „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“; das weitere Kürzel konnte von uns noch nicht entschlüsselt werden.
- 2
„Die folgenden deutschen Strafgefangenen haben dieses Konzentrationslager verlassen, bevor eine Überprüfung ihres Falles stattgefunden hatte. Es ist nicht gesagt, dass sie mit ihrem Weggang gegen eine Anordnung verstoßen hätten.“
Quellen
Arolsen Archives
1.1.26.3 Individuelle Häftlingsunterlagen Männer KL Mauthausen, Eugen Neuner
Korrespondenzakte TD 759923
Generallandesarchiv Karlsruhe
309 Nr. 3732 bis 3735 (Strafprozessakten), Nr. 4004 (Revisionsakte)
Archiv Memorial Mauthausen
Häftlingsdatenbankauszug vom 27.4.2023
© Text und Recherche:
Sigrid Brüggemann, Stuttgart
Stand: August 2026
www.kz-mauthausen-bw.de
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05.01.1943 KZ Mauthausen
Mai 1945 in Mauthausen befreit
Eugen Neuner wurde am 11. Februar 1898 in Hohenwart (heute ein Stadtteil von Pforzheim) geboren und katholisch getauft. Über sein Leben ist uns nur wenig bekannt. Als Beruf gab er Techniker und Goldschmied an. Laut seiner KZ-Häftlingspersonalkarte hatte er einige Kriegsverletzungen als Soldat im Ersten Weltkrieg erlitten. Er war geschieden, hatte ein Kind, und wohnte vor seiner letzten Verhaftung in der Rennfeldstraße 21 in Pforzheim.
1941 stand er zusammen mit vier weiteren Männern in einem Strafverfahren wegen Diebstahls, Hehlerei, Devisenvergehens u.a. in Pforzheim vor Gericht. Neuner firmierte hier als Schmuckwarenfabrikant, die anderen Angeklagten waren Goldschmiede und ein Graveur. Das Verfahren zog sich bis 1942 hin. Es ist durch Quellen nicht belegt, ob die Justiz gegen ihn Sicherungsverwahrung anordnete. Falls dies in der Zeit des Nationalsozialismus überhaupt erfolgt sein sollte – was wahrscheinlich ist -, dann müsste es bei diesem Strafverfahren gewesen sein.
Nachgewiesen ist lediglich, dass man ihn am 5. Januar 1943 aus der Sicherungsanstalt (Abteilung im Gefängnis, in die die Sicherungsverwahrten nach Strafverbüßung in den Maßregelvollzug überführt wurden) Straubing in das Konzentrationslager Mauthausen deportierte. Die Umstände sprechen dafür, dass die Deportation im Zuge der von der NS-Führung beschlossenem Auslieferung von Sicherungsverwahrten (teilweise auch von Gefangenen, die sich noch in Strafhaft befanden) an die SS erfolgte. Im KZ Mauthausen wurde er als Sicherungsverwahrter („SV“) registriert und erhielt die Häftlingsnummer 20642. Ab dem 23. Juni 1943 arbeitete er als Techniker bei DEST Rüstung Amtag. W.1 Während seiner KZ-Haft war er verschiedenen medizinischen Versuchen mit Impfstoffen ausgesetzt.
Im Januar 1959 bat das bayrische Innenministerium beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Arolsen um Nachforschungen über den Verbleib von Eugen Neuner, da er als Zeuge im Mordprozess des Landgerichts Kempten gegen den ehemaligen Lagerältesten Josef Schöps und den ehemaligen Blockältesten Adolf Stumpf des KZ Mauthausen gesucht wurde. Neben den Inhaftierungsdaten konnte der ITS aber lediglich die Auskunft erteilen, dass Neuners Name in einer Liste des Lagers Mauthausen, aufgestellt am 27.5.1945, mit dem Vermerk erscheint:
"The following German Criminel Prisoners left this concentration camp before any review of their case was made. It is not said that they violated any order in leaving."2 Offenbar hat Neuner also das Lager nach der Befreiung auf eigene Faust verlassen, ohne sich zuvor einer Überprüfung zu unterziehen.
Weiteres ist uns über Eugen Neuner nicht bekannt.
Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Eugen Neuners letzte frei gewählte Wohnadresse in der Rennfeldstraße 21 in Pforzheim.
- 1
DEST war die Abkürzung für das SS-Unternehmen „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“; das weitere Kürzel konnte von uns noch nicht entschlüsselt werden.
- 2
„Die folgenden deutschen Strafgefangenen haben dieses Konzentrationslager verlassen, bevor eine Überprüfung ihres Falles stattgefunden hatte. Es ist nicht gesagt, dass sie mit ihrem Weggang gegen eine Anordnung verstoßen hätten.“
Quellen
Arolsen Archives
1.1.26.3 Individuelle Häftlingsunterlagen Männer KL Mauthausen, Eugen Neuner
Korrespondenzakte TD 759923
Generallandesarchiv Karlsruhe
309 Nr. 3732 bis 3735 (Strafprozessakten), Nr. 4004 (Revisionsakte)
Archiv Memorial Mauthausen
Häftlingsdatenbankauszug vom 27.4.2023
© Text und Recherche:
Sigrid Brüggemann, Stuttgart
Stand: August 2026
www.kz-mauthausen-bw.de