Friedrich Tritschler (1894 - 1943)
27.11.1942 KZ Mauthausen
30.01.1943 Tod im KZ Gusen
Friedrich Tritschler wurde am 7. November 1894 als Sohn des Korbmachers Wilhelm Tritschler in Waldkirch im Breisgau geboren.
Als er sieben Jahre alt war, starb die Mutter und er kam zunächst zu einem Bauer im Glottertal als Hirtenbub, später dann zu einem Bauern in der Nähe von Waldkirch, wo er Milch fahren musste. Mit 16 begann er eine Lehre bei einem Korbmacher in Waldkirch. Vom 3. Oktober 1913 bis zum 14. Juli 1914 war er in der Badischen Landesanstalt Schloss Flehingen (einer Zwangserziehungsanstalt für "jugendliche Verwahrloste männlichen Geschlechts") untergebracht.
Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er zum Infanterieregiment Nr. 113 nach Freiburg eingezogen. Im September 1914 kam er an die Front in Frankreich, wurde zweimal verwundet und im Elsass zum Regiment Nr. 112 verlegt, wo er bis Kriegsende blieb. Nach Kriegsende arbeitete er wieder als Korbmacher und war im ganzen südbadischen Raum unterwegs.
Zwischen Juni 1912 und August 1932 brachte er es auf 15 Vorstrafen (darunter mehrere Zuchthausstrafen) wegen schweren Diebstahls im Rückfall, Betrugs und Unterschlagung. Im Sommer 1934 entwendete er dem Landwirt Wilhelm Stahl, bei dem er zuvor sechs Wochen gearbeitet hatte, 74 Reichsmark und entfloh mit dem Geld. Stahl zeigte den Diebstahl an und Tritschler wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Nach einem erneuten Diebstahl wurde er am 29. November 1934 am Offenburger Hauptbahnhof festgenommen und nach seiner Vernehmung in das Bezirksgefängnis Offenburg eingeliefert.
Ein psychiatrisches Gutachten vom 12. Februar 1935 erklärte Tritschler für völlig "normal", es gäbe keinerlei Anzeichen einer geistigen Störung. Er zeige allerdings nicht die geringste Einsicht in die Verwerflichkeit seines kriminellen Tuns und lasse auch nicht erkennen, selbiges künftig unterlassen zu wollen. Aus diesem Grund sei eine Sicherungsverwahrung geboten.
In der Hauptverhandlung am 11. April 1935 wurde er wegen neunmaligen Diebstahls im Rückfall zu zwei Jahren und vier Monaten Zuchthaus mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Nachdem er seine Strafe im Zuchthaus Bruchsal verbüßt hatte, wurde er am 17. April 1937 in die Sicherungsanstalt (Abteilung im Gefängnis, in die die Sicherungsverwahrten nach Strafverbüßung in den Maßregelvollzug überführt wurden) Straubing verbracht.
Auf Grundlage einer Vereinbarung zwischen Reichsführer-SS Heinrich Himmler und Justizminister Otto Georg Thierack wurden ab Ende November 1942 sicherungsverwahrte Justizhäftlinge in die Konzentrationslager zur „Vernichtung durch Arbeit“ deportiert. Auch Friedrich Tritschler war davon betroffen. Am 27. November 1942 traf er mit einem Transport von 51 Häftlingen aus der Sicherungsanstalt Straubing im Konzentrationslager Mauthausen ein, wo er als Sicherungsverwahrter („SV“) registriert wurde.
Vermutlich Mitte Januar 1943 wurde er in das nahegelegene KZ Gusen verlegt, wo die Häftlinge vor allem beim Stollenbau für die Untertageproduktion von Jagdflugzeugen rücksichtslos zu Schwerstarbeit angetrieben wurden. Am 30. Januar 1943 starb Friedrich Tritschler dort im Alter von 48 Jahren. Das Totenbuch, in dem in aller Regel fiktive Todesursachen eingetragen wurden, vermerkt „eitrigen Dickdarmkatharr“ als Grund.
Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Friedrich Tritschlers Geburtsort Waldkirch.
Quellen
Staatsarchiv Freiburg
A 43/1 Nr. 1326
Generallandesarchiv Karlsruhe
484-1 Nr. 2346 (Erziehungsheim Flehingen)
233 Nr. 46274
Memorial Mauthausen
(https://raumdernamen.mauthausen-memorial.org/)
© Text und Recherche:
Sigrid Brüggemann, Stuttgart
Stand: April 2026
www.kz-mauthausen-bw.de