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Gustav Binsack (1901 - 1943)

„... hat nie die Kraft, seine guten Vorsätze in die Tat umzusetzen“

 

16.12.1942 KZ Mauthausen
19.12.1942 KZ Gusen
01.01.1943 Tod im KZ Gusen


Gustav Binsack wurde am 29. September 1901 in Pforzheim geboren und evangelisch getauft. Zusammen mit seinen Eltern und fünf Geschwistern wohnte er in der Kronprinzenstraße 23. Mit zehn Jahren erkrankte er an einer Hirnhautentzündung, deren Folgen ihm auch in späteren Jahren immer wieder zu schaffen machten. Nach der Volksschule besuchte er noch die Handelsschule. Wie sein Vater wurde auch Gustav Binsack Kaufmann und war nach seiner Ausbildung bei der Rheinischen Creditbank in Pforzheim tätig.

Zwischen 1918 und 1926 erhielt er 17 Gefängnisstrafen, meist wegen Betrugs (oft mehrfach und im Rückfall), aber auch wegen Unterschlagung, Urkundenfälschung, Amtsanmaßung, unerlaubtem Handel und unerlaubtem Waffenbesitz. Am 10. Februar 1926 wurde er vom Landgericht Karlsruhe wegen mehrfachen Betrugs zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung dieser Strafhaft arbeitete er als „festangestellter Reisender“ bei der Nähr- und Kräftigungsfirma Hans Gehrig in Heidelberg-Dossenheim. Nach eigener Aussage habe ihm sein damaliger Verdienst voll und ganz ausgereicht.

Ende Dezember 1928 lernte Gustav Binsack bei einer Eisenbahnfahrt die in Zuffenhausen (1931 von Stuttgart eingemeindet) wohnende Kontoristin Elisabeth St. kennen, Mitte Januar 1929 machte er ihr einen Heiratsantrag. St. lehnte zunächst ab, da sie vollständig mittellos sei, aber Binsack zerstreute ihre Bedenken, indem er vorgab, als Abteilungsleiter bei der Rheinischen Creditbank in Pforzheim gut situiert zu sein und die nötigen Anschaffungen für einen gemeinsamen Haushalt ohne weiteres tragen zu können. In den  folgenden Wochen kaufte er, teils mit ihr zusammen, in Zuffenhäuser Geschäften Aussteuer, Kleidung und Einrichtungsgegenstände für mehrere tausend Reichsmark. Er gab sich als solventer Bankangestellter oder selbständiger Kaufmann aus und „bezahlte“ mit ungedeckten Zahlungsanweisungen, die er aber mit seinem  Namen unterschrieb.
Nach rund zwei Monaten waren seine Betrügereien aufgeflogen und das Schöffengericht Stuttgart I verurteilte ihn am 22. April 1929 zu anderthalb Jahren Zuchthaus wegen Betrugs im Rückfall. Am 16. August des Jahres wurde er ins Zuchthaus Ludwigsburg eingeliefert. Im Mai 1930 wurde er auf den Hohenasperg, die Krankenanstalt des Zuchthauses, verlegt. Im August 1930 beantragte er eine Haftunterbrechung, seinem Gesuch wurde vom württembergischen Justizministerium jedoch nicht entsprochen. Er verbüßte die volle Haftzeit bis zu seiner Entlassung am 19. November 1930.
Im Abschlussgutachten des Zuchthauses wurde ihm eine ungünstige Sozialprognose gestellt:
„Sein Allgemeinverhalten während seiner Strafzeit war ein verschlossenes und launisches. Gegen seine Mitgefangenen war er verträglich, gegen die Beamten anständig, aber misstrauisch und verschlossen. Als besondere Meinung könnte man seinen Eigensinn anführen; seine Strafe trug er nicht immer leicht.
Will nach seiner Entlassung 'nie mehr mit dem Gesetz zusammenstoßen'. Er hat also gute Vorsätze. Doch Binsack ist ein Mensch von sehr unzuverlässigem Charakter, leidet an großer Einbildung, hat aber nie die Kraft, seine guten Vorsätze in die Tat umzusetzen.
Er ist, kurz gesagt, ein Schwächling ohne jede sittliche und religiöse Kraft, darum wird er auch bald wieder Schiffbruch erleiden.“

Weitere Verfahren und Verurteilungen sind uns nicht bekannt. Es liegt allerdings ein Schreiben der Strafanstalt Mannheim vom 21. September 1931 vor, das besagt, dass sich Binsack dort in Strafhaft befinde und dass man um die Übersendung der Ludwigsburger Akten zur Einsichtnahme bitte. Es findet sich in den Quellen keine Angabe, zu welchem Zeitpunkt die Sicherungsverwahrung für Binsack angeordnet wurde.
Im September 1942 vereinbarten Reichsjustizminister Otto Georg Thierack und Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler die schubweise Auslieferung aller Sicherungsverwahrten, die bisher der Justiz unterstanden und in den Sicherungsanstalten einsaßen, an die Polizei zur "Vernichtung durch Arbeit" - wie es wörtlich hiess - in den Konzentrationslagern. Auch Gustav Binsack war unter den Betroffenen. Dies lässt es als wahrscheinlich erscheinen, dass ein Gericht mit dem Urteil die an die Haft anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet hatte und er nach Verbüßung seiner Haftstrafe in eine Sicherungsanstalt kam, eine Abteilung im Gefängnis, in die die Sicherungsverwahrten nach Strafverbüßung in den Maßregelvollzug überführt wurden.

Zusammen mit weiteren Sicherungsverwahrten kam er am 16. Dezember 1942 in das Konzentrationslager Mauthausen und erhielt die Häftlingsnummer 18936. Bereits drei Tage später wurde er in das nahegelegene KZ Gusen überstellt, wo die Häftlinge vor allem beim Stollenbau für die Untertageproduktion von Jagdflugzeugen rücksichtslos zu Schwerstarbeit angetrieben wurden. Gustav Binsack hielt den Strapazen nur wenige Tage stand und starb am 1. Januar 1943 im KZ Gusen im Alter von 41 Jahren.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Gustav Binsacks Geburtsort Pforzheim.

Quellen

ITS Digital Archive, Arolsen Archives
1.1.26.3 Individuelle Häftlingsunterlagen Männer KL Mauthausen, Gustav Binsack

Staatsarchiv Ludwigsburg
E 356 d III Bü 975

Generallandesarchiv Karlsruhe
255-1 Nr. 231

Memorial Mauthausen
(https://raumdernamen.mauthausen-memorial.org/)

Archiv Memorial Mauthausen 
Häftlingsdatenbankauszug vom 27.4.2023

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