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Gustav Krauter (1891 - 1943)

13.10.1939 Anordnung der Sicherungsverwahrung
07.01.1943 KZ Mauthausen
04.03.1943 Tod im KZ Gusen

Gustav Krauter wurde am 24. August 1891 in Backnang geboren. Er hatte sechs Geschwister. Die Mutter Luise starb 1926, der Vater Gottlob 1936. Gustav blieb ledig und verdiente sein Brot als Gelegenheitsarbeiter. Unsere einzige Quelle zu seiner Person ist seine Personalakte aus dem Zuchthaus Ludwigsburg.

Zwischen 1912 und dem Zeitpunkt seiner letzten Gerichtsverhandlung im Oktober 1939 wurde er 42 mal gerichtlich verurteilt: wegen groben Unfugs, Hausfriedensbruchs, Beamtenbeleidigung, Verleumdung, Bettelei, Diebstahls, Betrugs, Urkundenfälschung, Hehlerei und Sittlichkeitsverbrechen. 1912 wurde er erstmalig straffällig. Er musste wegen Diebstahls, Hausfriedensbruch und Verleitung zum Meineid für 14 Monate ins Zuchthaus. Während des Ersten Weltkriegs, an dem er als vorbestrafter „Zuchthäusler“ nicht als Soldat teilnehmen musste, beging er weitere Straftaten. Nach Kriegsende war er führend an mehreren schweren Bandendiebstählen beteiligt, wofür er 1920 mit 4 Jahren 6 Monaten Zuchthaus bestraft wurde. Kurz nach seinem Strafende 1924, verging er sich sexuell an einem 10jährigen Mädchen, was mit 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus geahndet wurde.

Bis 1936 machte er sich nur noch kleinerer Vergehen schuldig, was ihm vom 7. Juni bis zum 7. Dezember 1935 einen Zwangsaufenthalt in der „Beschäftigungsanstalt für Asoziale“ in Buttenhausen auf der Schwäbischen Alb einbrachte. Im August 1936 verbüßte er wegen groben Unfugs und Arbeitsverweigerung eine dreiwöchige Gefängnisstrafe mit anschließender Einweisung in das Arbeitshaus Vaihingen/Enz von September 1936 bis zum 22. Oktober 1938.

Ziemlich genau ein Jahr später, am 13. Oktober 1939, verurteilte das Landgericht Stuttgart Krauter erneut wegen Unzucht an einem 10jährigen Mädchen, dazu Beamtenbeleidigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt in Tateinheit mit Verbrechensbedrohung zu 2 Jahren Zuchthaus. Diesmal ordnete das Gericht die anschließende Sicherungsverwahrung an. In der Begründung wurde angeführt:
„Alles Denken und Sinnen des Angeklagten ist nur darauf gerichtet, möglichst oft und möglichst viel zu trinken und sich betrinken zu können. [ …] Der Trieb nach Alkohol, vor allem Most in großen Mengen, beherrscht den Angeklagten vollständig und rettungslos. Unter der Wirkung des Alkohols ist er unberechenbar und gefährlich. So hat sich auch in der Hauptverhandlung gezeigt, dass ihn Widersprüche und Vorhalte ihm unangenehmer Personen, und das sind wohl alle Polizeibeamten, augenblicklich in große Wut bringen. Man sieht seinem sofort geröteten Gesicht, dem Blick, der Kopf- und Armhaltung die Gefährlichkeit dieses Mannes ohne weiteres an.“ 
Er sei deshalb als „gefährlicher Gewohnheitsverbrecher“ anzusehen und die Sicherungsverwahrung anzuordnen.

Nach Strafende am 20. Oktober 1941 hatte er im Anschluss noch eine fünfmonatige Gefängnisstrafe abzusitzen, danach kam er in die Sicherungsanstalt (eine Abteilung im Gefängnis, in die die Sicherungsverwahrten nach Strafverbüßung in den Maßregelvollzug überführt wurden) Schwäbisch Gmünd.

Als im September 1942 Reichsjustizminister Otto Georg Thierack und Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler die schubweise Auslieferung aller Sicherungsverwahrten, die bisher der Justiz unterstanden und in den Sicherungsanstalten einsaßen, an die Polizei (nur Gestapo oder Kripo konnten, über Antrag beim Reichssicherheitshauptamt, KZ-Einweisungen vornehmen), zur "Vernichtung durch Arbeit" in den Konzentrationslagern, vereinbarten, war auch Gustav Krauter unter den Betroffenen. Am 7. Januar 1943 traf er zusammen mit 116 Sicherungsverwahrten, die mit ihm in der Sicherungsanstalt Schwäbisch Hall inhaftiert waren, im KZ Mauthausen ein. Dort wurde er als Sicherungsverwahrter („SV“) registriert und erhielt die Häftlingsnummer 20708. Vermutlich wurde er kurze Zeit später in das nahegelegene KZ Gusen überstellt, wo die Häftlinge vor allem beim Stollenbau für die Untertageproduktion von Jagdflugzeugen rücksichtslos zu Schwerstarbeit angetrieben wurden. Dort starb Gustav Krauter am 4. März 1943 im Alter von 51 Jahren. Er war krimineller Täter und zugleich Opfer der nationalsozialistischen Entrechtung und der rücksichtslosen Verwendung von Menschen für Rüstungszwecke.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Gustav Krauters Geburtsort Backnang an.

 

Quellen

Staatsarchiv Ludwigsburg
E 356 d V Bü 2623

Archiv Memorial Mauthausen
DR Häftlinge Mauthausen, Datenbankauszug Andreas Baumgartner vom 2.3.2023

Memorial Mauthausen
(https://raumdernamen.mauthausen-memorial.org/)

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