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Ida Bartosch

Zeugin Jehovas

1940/41 Frauenstrafanstalt Gotteszell
25.04.1942 KZ Ravensbrück
22.(24.)03.1944 Schloss Mittersill (Außenlager des KZ Mauthausen)


Ida Bartosch wurde am 23. Mai 1900 in Pforzheim geboren und wohnte dort in der Calwerstraße 73. Sie war ledig und arbeitete als Hausangestellte. Wann sie der Internationalen Bibelforschervereinigung (IBV) beitrat ist nicht bekannt, aber sie scheint auch nach deren Verbot (in Baden im Mai 1933, in Württemberg ab Februar 1934) für diese Glaubensgemeinschaft aktiv gewesen zu sein. 1940/41 war sie wegen einer "Dienstpflichtverletzung" in der Frauenhaftanstalt Gotteszell in Schwäbisch Gmünd inhaftiert.

Am 25. April 19421 wurde sie von der Gestapo, Stapoleitstelle Karlsruhe, in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück eingewiesen (Häftlingsnummer 10619, Kategorie "staatenlos" "IBV"). In einer Zugangsliste des KZ Ravensbrück mit der handschriftlichen Einfügung "Schneiderei 25.4.1942" ist Bartosch als politische Jüdin aufgeführt, in einem anderen Dokument wird berichtigt, dass sie keine politische Jüdin sondern "IBV" sei. Sie wurde unter anderem in der Schneiderei eingesetzt. Im Jahr 1970 berichtete sie rückblickend über die dortigen Haftbedingungen: „Die Häftlinge in Ravensbrück wurden allgemein schlecht behandelt. Oft wurden sie mit Ochsenziemer misshandelt. Ich persönlich habe 25 Stockhiebe bekommen und dann bekam ich einmal 25 Eimer eiskaltes Wasser über den Leib gegossen. Daraufhin wurde ich lange im Krankenhaus behandelt."

Am 24. März 1944 wurde Ida Bartosch zusammen mit fünfzehn weiteren Zeuginnen Jehovas (siehe Biografie Maria Schwenk) nach Schloss Mittersill bei Salzburg überstellt. Das Frauenlager unterstand zunächst der Verwaltung des KZ Ravensbrück, wurde jedoch ab dem 15. September 1944 vom KZ Mauthausen übernommen. Ab dem 19. September 1944 arbeitete sie auf Schloss Lannach (Häftlingsnummer 3) bei Graz, einer Außenstelle von Schloss Mittersill, die ebenfalls vom KZ Mauthausen verwaltet wurde. In ihrer Rückschau 1970 war es für sie "eine Erlösung, als ich von Ravensbrück nach Schloss Lannach überführt wurde. Dort mussten wir zwar schwer arbeiten, aber die Behandlung war gut.“ Auf Schloss Lannach betrieb das "Reichsinstitut Sven Hedin für Innerasienforschung" Pflanzenexperimente. Es waren dort neun Zeuginnen Jehovas als KZ-Zwangsarbeiterinnen interniert.

Am 9. Mai 1945 wurden die dortigen Häftlinge von der Roten Armee befreit.

Ida Bartosch starb 1977.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt ihre Wohnadresse Calwerstrasse 73 in Pforzheim.

 

Quellen und Literatur

ITS Digital Archive, Arolsen Archives
1.1.35.1 Listenmaterial Ravensbrück
DocID: 129643064 (Zugangsliste Ravensbrück)
DocID: 129643071
1.1.26.4 Individuelle Unterlagen Frauen Mauthausen / Ida Bartosch

Staatsarchiv Ludwigsburg
E 356 i Bü 3247 (Frauenstrafanstalt Gotteszell)

Baumgartner, Andreas: Die vergessenen Frauen von Mauthausen. Die weiblichen Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen und ihre Geschichte. Wien 1997

Bartosch, Ida (https://www.pforzheim.de/stadt/stadtgeschichte/gedenken-friedenskultur/widerstand-im-raum-pforzheim-1933-1945/glossar-ansicht/glossary/detail/bartosch-ida-zeugen-jehovas.html, Zugriff am 13.5.2023).

 

© Text und Recherche:
Sigrid Brüggemann, Stuttgart
Stand: Mai 2023
www.kz-mauthausen-bw.de