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Johann Hildenbeutel (1897 - 1940)

"ein hartnäckiger Bibelforscher"

06.05.1937 Verhaftung durch Gestapo Karlsruhe
25.06.1938 KZ Dachau
27.09.1939 KZ Mauthausen
11.04.1940 Tod im KZ Mauthausen

Johann "Hans" Hildenbeutel wurde am 24. Februar 1897 in Mannheim geboren.1
Später wohnte seine Familie, bestehend aus seiner Ehefrau Marie, geb. Föckler, und den beiden Söhnen Hans und Werner, in Karlsruhe, wo er als Kraftfahrer arbeitete. 1935 ließ er sich zum Zeugen Jehovas taufen.

Am 6. Mai 1937 wurde Johann Hildenbeutel von der Gestapo Karlsruhe wegen der Verbreitung illegaler Druckschriften verhaftet. Am 9. Juli 1937 verurteilte ihn das Sondergericht Mannheim wegen "Betätigung für die verbotene Sekte der Ernsten Bibelforscher" zu einem Jahr Gefängnis. In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, dass es sich bei ihm um einen hartnäckigen Bibelforscher und keinen gewöhnlichen Mitläufer handele. Nach einer Stellungnahme der Strafanstalt Mannheim vom 30.11.1937 "ist H. völlig einsichtslos, sodass ein Gnadenerweis nicht in Frage kommt. Nach Auffassung des Anstaltsarztes leidet H. an religiösem Wahn und Überwertigkeitsideen." Man müsse sich deshalb fragen, "ob H. nach Verbüssung der Strafe bei Fortdauer dieser Einstellung überhaupt auf freien Fuss gesetzt werden kann.“ Mitte Mai 1938 wurde Johann Hildenbeutel im Gefängnis von einem Gestapobeamten besucht, der von ihm die "Loyalitätserklärung", also das Abschwören von seinem Glauben, forderte. Als Hildenbeutel dies verweigerte, teilte die Gestapo der Haftanstalt kurz darauf mit, dass gegen ihn Schutzhaft verhängt sei. Die Abholung erfolge nach der Strafverbüßung.

Er kam zunächst ins Bewahrungslager Kislau, indem vorzugsweise die Gefangenen in Baden, für die Schutzhaft beantragt worden war, bis zu ihrem Abtransport ins KZ interniert wurden. Am 25. Juni 1938 wurde Johann Hildenbeutel ins KZ Dachau eingeliefert und erhielt die Häftlingsnummer 17262. Im Zuge der vorübergehenden Räumung des Lagers Dachau für Ausbildungszwecke der SS wurde er am 27. September 1939 mit einem großen Häftlingstransport, darunter zahlreiche Glaubensgenossen, in das Konzentrationslager Mauthausen überstellt. Am 11. April 1940 ist er dort verstorben. Das Totenbuch, in dem in aller Regel fiktive Todesursachen eingetragen wurden, vermerkt als Todesursache Nierenentzündung.

Am 29. Mai 2009 wurde ein Stolperstein zu seinem Gedenken an seinem letzten Wohnort im Beisein von etwa 30 Zeugen Jehovas gesetzt.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt die letzte Wohnadresse von Johann Hildenbeutel, Baumeisterstraße 34 in 76137 Karlsruhe.


Quellen und Literatur

ITS Digital Archive, Arolsen Archives
1.1.6.2. Individuelle Häftlingsunterlagen Männer KL Dachau, Johann Hildenbeutel
1.1.6.7. Schreibstubenkarten Dachau/ Johann Hildenbeutel

Generallandesarchiv Karlsruhe:
507 Nr. 1425-1427, 480 Nr. 15243 (1-4), 480 Nr. 15239 (1-2)
Gefangenenkarteikarte Kislau, Johann Hildenbeutel

Searching Dachau Concentration Camp Records in One Step (https://stevemorse.org/dachau/dachau.html)

Memorial Mauthausen (https://raumdernamen.mauthausen-memorial.org/)

Ursula Krause-Schmitt: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Bd. 5 Baden-Württemberg I. Frankfurt-Bockenheim 1991

http://www.stolpersteine-karlsruhe.de

 

© Text und Recherche:
Sigrid Brüggemann, Stuttgart
Stand: August 2021
www.kz-mauthausen-bw.de

 

1 In Dokumenten der Arolsen Archives erscheint auch der 19. Februar 1897 als Geburtsdatum .