Johannes Gruss (1881 - 1942)
19.12.1942 KZ Mauthausen
30.12.1942 Tod im KZ Gusen
Johannes Gruß wurde am 26. Mai 1881 in Stubersheim (heute ein Teilort der Gemeinde Amstetten im Alb-Donau-Kreis) geboren und evangelisch getauft. Er wuchs dort mit seinen sechs Geschwistern auf. Über sein Leben können wir lediglich das Wenige, das in seiner Zuchthauspersonalakte steht, wiedergeben.
Er war verheiratet mit Katharine, geborene Weller, hatte mit ihr zwei Kinder und arbeitete als Dienstknecht bei verschiedenen Landwirten. Die Ehe wurde zu einem uns nicht bekannten Zeitpunkt geschieden. Vom 27. Januar bis zum 12. Februar 1927 war er auf Wanderschaft im Schwäbischen Oberland und in Bayern. Bei einer Anfrage des Wohlfahrtsamtes Ellwangen an das Zuchthaus Ludwigsburg vom 2. Dezember 1932, in dem es um die Fürsorgeerziehung für einen 1920 geborenen Wilhelm Gruß ging, handelte es sich vermutlich um seinen Sohn.
Zwischen Februar 1903 und Mai 1927 wurde Johannes Gruß zwanzigmal zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen wegen Betrugs im Rückfall, Urkundenfälschung und Zechprellerei verurteilt.
Am 15. Dezember 1933 musste er erneut eine Haftstrafe im Zuchthaus Ludwigsburg antreten. Vermutlich war bei diesem letzten Gerichtsverfahren die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet worden.
In seiner Häftlingspersonalakte wurde er als offen und verständig, fleißig, geschickt, gewissenhaft, verträglich, anständig gegen Mitgefangene und gegen Beamte geschildert.
Nach Verbüßung seiner Haftstrafe am 15. Juni 1936 kam er in die Sicherungsanstalt (Abteilung im Gefängnis, in die die Sicherungsverwahrten nach Strafverbüßung in den Maßregelvollzug überführt wurden) Straubing. Ob er die ganze Zeit bis zu seiner Deportation in ein KZ in Straubing zubrachte, ist uns nicht bekannt.
Im September 1942 vereinbarten Reichsjustizminister Otto Georg Thierack und Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler die schubweise Auslieferung aller Sicherungsverwahrten, die bisher der Justiz unterstanden und in den Sicherungsanstalten einsaßen, an die Polizei, zur "Vernichtung durch Arbeit" in den Konzentrationslagern. Ab Ende November 1942 wurde der größte Teil von ihnen in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert, wo die meisten innerhalb kürzester Zeit zu Tode kamen.
Am 19. Dezember 1942 traf auch Johannes Gruß im KZ Mauthausen ein. Er wurde als Sicherungsverwahrter („SV“) registriert und erhielt die Häftlingsnummer 8573.1 Umgehend wurde er in das nahegelegene KZ Gusen verlegt, wo die Häftlinge vor allem beim Stollenbau für die Untertageproduktion von Jagdflugzeugen durch Schwerstarbeit massenhaft den Tod fanden. Auch Johannes Gruß überlebte nicht lange. Bereits nach elf Tagen KZ-Haft, am 30. Dezember 1942, starb er dort im Alter von 61 Jahren - als ein weiteres Opfer der rechtswidrigen Übereinkunft von Justiz und SS und den daran anschließenden Willkürmaßnahmen.
Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Johannes Gruß' Geburtsort Stubersheim.
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Die Häftlingsnummer ist für diesen Vergabezeitpunkt ungewöhnlich niedrig, da die allerersten schon am 26.11.1942 als SV registrierten Zugänge bereits Nummern ab 14.9xxx erhielten und die wie Gruß um den 19.12 1942 eingetroffenen SV-Häftlinge Nummern zwischen 17.000 und 19.000 bekamen. Möglicherweise wurde Gruß die freigewordene Nummer eines früheren, mittlerweile verstorbenen, Häftlings zugeteilt.
Quellen
Arolsen Archives
1.1.26.3 Individuelle Häftlingsunterlagen Männer KL Mauthausen, Johannes Gruß
Staatsarchiv Ludwigsburg
E 356 d V Bü 360
Memorial Mauthausen
(https://raumdernamen.mauthausen-memorial.org/)
© Text und Recherche:
Ingrid Bauz/Sigrid Brüggemann, Stuttgart
Stand: Mai 2026
www.kz-mauthausen-bw.de