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Karl Dochat (1901 - 1956)

Zeuge Jehovas

04.08.1936 Verhaftung in Pforzheim durch Gestapo
20.11.1937 KZ Dachau
27.09.1937 KZ Mauthausen
01.09.1944 KZ Gusen I
05./06.05.1945 in Gusen befreit


Karl Dochat wurde am 18. August 1901 in Karlsruhe geboren. Er war mit Johanna, geb. Müller, verheiratet und hatte mit ihr einen Sohn. Die Familie lebte in Pforzheim. Der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas gehörte Karl Dochat seit 1931 an.

Von Beruf Metallschleifer, arbeitete er im Pforzheimer Walzwerk Gustav Rau. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wurde er dort entlassen, weil er sich weigerte, die vom Rundfunk übertragenen Reden der NS-Größen zusammen mit seinen Kollegen im Betrieb anzuhören, den Betriebsappellen fernblieb und nicht mit "Heil Hitler" grüßte. Bis zu seiner Verhaftung 1936 blieb er arbeitslos.

Anfang August 1936 wurde er wegen der "Verbreitung illegaler Schriften" verhaftet und am 9. Oktober 1936 vom Sondergericht Mannheim wegen "Betätigung für die verbotene Sekte der internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher" zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Bis Mitte September 1936 war er im Gerichtsgefängnis Pforzheim inhaftiert, anschließend im Gefängnis Mannheim. Bereits am 22. März 1937 wurde er erneut vom Sondergericht Mannheim verurteilt, weil er einen inhaftierten Glaubensgenossen in einem Brief aufforderte, seinem Glauben treu zu bleiben. Diesmal waren es acht Monate Gefängnis, danach verhängte die Gestapo Schutzhaft. Im "Bewahrungslager" Kislau, in dem vorzugsweise die Gefangenen in Baden, für die Schutzhaft beantragt worden war, bis zu ihrem Abtransport ins KZ interniert wurden, wartete Karl Dochat auf seinen Abtransport ins Konzentrationslager Dachau. Dieser erfolgte am 20. November 1937. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 13046 und die Kategorie "Sch.Bifo".

Im Zuge der vorübergehenden Räumung des Lagers Dachau wurde er am 27. September 1939 zusammen mit rund 1600 weiteren Dachau-Häftlingen, darunter zahlreiche Glaubensgenossen, in das KZ Mauthausen überstellt (Häftlingsnummer 563). Im dortigen Steinbruch "Wiener Graben" musste er als Steinmetz arbeiten.

Vom 18. bis 28. August 1941 war, wie bereits wiederholt zuvor, erneut eine Militärkommission im Lager zugange1, diesmal um die Jahrgänge 1900 bis 1923 zu mustern, darunter auch Karl Dochat. Aber weder er noch die anderen acht dabei gemusterten Bibelforscher waren bereit, Militärdienst zu versehen. Die Verweigerer wurden im Anschluss schwer misshandelt, Karl Dochat unter anderem die Oberkieferzähne ausgeschlagen, aber im Gegensatz zu früheren Musterungsaktionen kam keiner der religiösen Wehrdienstverweigerer in eine Strafkompanie und keiner wurde unmittelbar in diesem Zusammenhang ermordet.

Zwischen Februar und April 1943 wurden im Konzentrationslager Mauthausen umfangreiche Menschenversuche mit Impfstoffen durchgeführt. Betroffen von diesen medizinischen Experimenten war auch Karl Dochat.
Am 7. Januar 1944 wurde Dochat ins KZ-Außenlager Dippoldsau verlegt, wo man ihn beim Kraftwerksbau einsetzte; am 1. September 1944 kam er ins Lager Gusen, wo er als Steinmetz im dortigen Steinbruch für das SS-Unternehmen „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“ (DESt) verwendet wurde. Am 5./6. Mai 1945 wurde er in Gusen befreit. Seine Überprüfung und Entlassung durch den amerikanischen Militärausschuss erfolgte am 24. Mai 1945.

Karl Dochat kehrte anschließend nach Pforzheim zurück. Er musste feststellen, dass sein Heim total ausgebombt war. Seinen Beruf als Metallschleifer konnte er aufgrund der gesundheitlichen Folgen der KZ-Haft nicht mehr ausüben. So beschäftigte ihn die Stadt Pforzheim ab Februar 1946 als "Gelderheber". Ein Jahr später stellte er einen Wiedergutmachungsantrag. Das Verfahren sollte sich noch bis weit über seinen Tod hinaus hinziehen.

Karl Dochat starb am 22. Juni 1956.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt die letzte Wohnadresse von Karl Dochat, Westliche Karl-Friedrich-Straße (kurz "Westliche" genannt) 140 in 75172 Pforzheim.

 

Quellen und Literatur

ITS Digital Archive, Arolsen Archives ITS
1.1.26.3 Individuelle Häftlingsunterlagen Männer KL Mauthausen, Karl Dochat
1.1.6.7 KL Dachau, Schreibstubenkarten Dachau/ Karl Dochat


Generallandesarchiv Karlsruhe
507 Nr. 2141-2142; 507 Nr. 1195-1196; 480 Nr. 122
Kislau-Gefangenenkartei, Karl Dochat

Searching Dachau Concentration Camp Records in One Step (https://stevemorse.org/dachau/dachau.html)

www.pfenz.de/wiki/karl_dochat
www.pforzheim.de/karl dochat


      
© Text und Recherche:
Sigrid Brüggemann, Stuttgart
Stand: Juli 2021
www.kz-mauthausen-bw.de

 

1 Seit kurz vor Kriegsbeginn wurden in Mauthausen immer wieder alle deutschen und österreichischen Häftlinge bestimmter Jahrgänge von einer Militärkommission des Wehrbezirkkommandos Linz gemustert. Befand man sie für tauglich, wurden sie von der SS an die Wehrmacht übergeben.