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Karl Esche

(geb. 1915)

14.06.1941 Verhaftung durch Kripo Stuttgart
05.01.1943 KZ Mauthausen
28.01.1943 KZ Gusen
28.04.1944 KZ Mauthausen
Mai 1945 befreit im KZ Mauthausen


Karl Esche wurde am 27. April 1915 in Birkenfeld bei Pforzheim geboren und evangelisch getauft. Er war gelernter Goldschmied und wohnte in der Herrenalber Straße 38 in Birkenfeld. Er war unverheiratet, hatte jedoch laut einem Vermerk in seiner Häftlingspersonalkarte des KZ Mauthausen zwei Kinder.

Mit dem Gesetz kam er des Öfteren in Konflikt. Am 14. Juni 1941 erfolgte die letzte Verhaftung vor seiner Verschleppung ins Konzentrationslager. Das der Verhaftung folgende Gerichtsurteil liegt uns nicht vor, aber möglicherweise wurde in diesem Strafverfahren die Sicherungsverwahrung angeordnet, da er zu diesem Zeitpunkt schon zehn Vorstrafen hatte und bereits 1938 wegen Betrugs im Rückfall und Diebstahls im Rückfall in der Justizvollzugsanstalt Karlsruhe eingesessen hatte. Möglicherweise wurde er aber auch aus dem Strafvollzug heraus ausgeliefert.

Vermutlich wurde Karl Esche im Zuge der nationalsozialistischen Maßnahmen gegen Sicherungsverwahrte auf Veranlassung der Kripo Stuttgart in das KZ Mauthausen deportiert. Dort wurde er am 5. Januar 1943 als Häftling mit der Kategorie Sicherungsverwahrter („SV“) registriert und mit der Häftlingsnummer 20629 versehen. Auf seiner Häftlingspersonalkarte ist noch zu lesen, dass sein rechter Unterschenkel amputiert war und er deshalb nur „bedingt tauglich“ sei.

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Häftlingspersonalkarte von Karl Esche, Arolsen Archives, DocID: 130125878


Am 28. Januar 1943 wurde er in das nahegelegene KZ Gusen überstellt und erhielt dort die Häftlingsnummer 44167. Vom 3. Februar bis 7. Juni 1943 wurde er als Kartoffelschäler in der Kantinenküche eingesetzt, vom 8. Juni 1943 bis 24. April 1944 arbeitete er als Hilfsarbeiter beim Lagerkommando 3. Danach kam er zurück ins Krankenrevier des Stammlagers und wurde dort im Mai 1945 befreit.

Nach der Befreiung ging er zurück in seine Heimatregion und wohnte in der Kelterstraße 5 in Pforzheim. In den nächsten Jahrzehnten folgten mehrere Strafverfahren und Gefängnisaufenthalte. Die Akten im Generallandesarchiv Karlsruhe und im Staatsarchiv Freiburg konnten von uns aus Kapazitätsgründen (noch) nicht eingesehen werden.

Am 8. August 1974 übersandte das Landesversicherungsamt (LVA) Baden dem Amt für Wiedergutmachung Stuttgart eine „wahrheitsgemäße Erklärung“ Esches über seine Inhaftierung im KZ Mauthausen und bat um eine „gutachterliche Äußerung“. In Esches Erklärung vom 8. Juli 1974 hieß es: „Im Januar 1942 wurde ich auf meiner Arbeitsstelle bei der Firma Volle & Kraut, Pforzheim Luitgardstr. verhaftet und kam nach der Verhandlung in das Konzentrationslager Mauthausen. Nach Kriegsende Mai 1945 wurde ich dann durch die US-Armee befreit.
Ich bin nicht im Besitz von Nachweisen. Ich werde mich um Zeugenanschriften bemühen und diese dann nachreichen.“
Das Stuttgarter Amt antwortete knapp einen Monat später, bei ihnen läge ein Antrag Esches auf Entschädigung nach dem Bundesentschädigungsgesetz (BEG) nicht vor. In der „wahrheitsgemäßen Erklärung“ Esches ergäben sich nicht genügend Anhaltspunkte, um eine gutachterliche Äußerung zu erstellen. Es würden jegliche Angaben zum Grund der seinerzeitigen Verhaftung und der darauffolgenden KZ-Einweisung fehlen. Es fehle auch wieder der Geburtsort, so dass auch nicht der Internationale Suchdienst Arolsen (ITS) angefragt werden könne. „Wir haben schon mehrmals darum gebeten, stets den Geburtsort des Versicherten anzugeben.“
Die LVA Baden teilte dies Esche mit und bat ihn den mitgeschickten Antrag „in allen Punkten genau auszufüllen“.
Am 5. Juni 1975 wies die LVA Baden Esches Antrag auf Bewilligung einer Rente wegen Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit ab, weil eine solche nicht vorläge.
Einen Tag später schrieb das Amt für Wiedergutmachung Stuttgart an die LVA Baden: „Nachdem wir nichts mehr seit Übersendung der Mehrfertigung Ihres Schreibens an den Antragsteller vom 7.10.1974 gehört haben, gehen wir davon aus, dass die Sache erledigt ist. Wir legen daher die Akte ab.“

In einem Schreiben vom 30. Juni 1975 forderte das Amt für Wiedergutmachung aber die LVA Baden auf, doch noch ein Feststellungsverfahren hinsichtlich eventueller [rentenrelevanter, S.B.] Ersatzzeiten durchzuführen, da später die Verfolgung noch schwieriger zu rekonstruieren und nachzuweisen wäre und Esche, auch bei Ablehnung einer Berufsunfähigkeitsrente, doch eine Altersrente beziehen wollen würde.
In dem Fragebogen zur Ergänzung seines Rentenantrages vom 8. September 1975 gab Esche nun an, vom 14. Juni 1941 (dem Tag seiner Verhaftung!) bis zum 12. Mai 1945 im KZ Mauthausen gewesen zu sein, „wegen Hitlergruß verweigert verhaftet, ins KZ, geschlagen, gefoltert, Zähne eingeschlagen, auf den Bock wiederholt geschnallt, 25, 50, 10, 25, 30, 50 Stockhiebe, eiskalt abgeduscht, wieder zusammengeschlagen, usw.“
Beweismittel für seine Angaben könne er nicht erbringen, da die Zeugen verstorben wären. Beiträge nachentrichten könne er ebenfalls nicht, „da finanziell nicht in der Lage“.
Die Auskunft des Internationalen Suchdienstes Arolsen nannte als Zeitpunkt seiner Verbringung ins KZ jedoch den 5. Januar 1943 (was auch durch die Häftlingsnummer Esches bestätigt wird).

Am 23. Mai 1976 beschied das Amt für Wiedergutmachung Baden Württemberg der LVA Baden, dass die Voraussetzungen für eine Wiedergutmachung in seinem Falle nicht vorlägen. Nach der ITS-Auskunft habe er sich nicht aus NS-spezifischen Verfolgungsgründen in Haft befunden. Vielmehr habe es sich bei ihm um eine Sicherungsverwahrung gehandelt. Diese sei durchgeführt worden, weil er zehn Vorstrafen gehabt habe. Unter diesen Umständen könne nicht festgestellt werden, dass er Verfolgter nach § 1 BEG (verfolgt aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen) sei.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt die vermutlich letzte frei gewählte Wohnadresse Karl Esches vor seiner Verhaftung mit anschließender Internierung, Herrenalber Straße 38 in Birkenfeld.

Quellen

Arolsen Archives
1.1.26.3 Individuelle Häftlingsunterlagen Männer KL Mauthausen, Karl Esche
Korrespondenzakte TD 779099

Generallandesarchiv Karlsruhe
520 Nr. 21058 (Gefangenenpersonalakte der JVA Karlsruhe)

Staatsarchiv Freiburg
F 179/1 Nr. 222, Nr. 223, Nr. 224 (Strafprozessakten)

Staatsarchiv Ludwigsburg
EL 350 I Bü 55310 (Entschädigungsakte)

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