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Konrad Seibold (1886 - 1945)

Zeuge Jehovas

31.10.1942 Verhaftung und Polizeigefängnis Welzheim
10.03.1943 KZ Dachau
17.08.1944 KZ Mauthausen
14.04.1945 Tod im KZ Linz III


Konrad Seibold wurde am 4. Oktober 1886 in Mönstetten (bei Günzburg/Bayern) geboren. 1914 zog die Familie nach Ulm. Der Vater Johannes hatte in der Kapellengasse 25 in Ulm-Söflingen ein Haus gekauft und dort sein Schuhmachergeschäft eingerichtet. Konrad Seibold wohnte mit Frau Theresia und Sohn Konrad junior gleich um die Ecke in der Uhrmachergasse 23. Er verdiente sein Brot als Maschinenformer.

Wie der Vater Johannes waren alle Kinder aktive Zeugen Jehovas oder standen ihnen zumindest nahe. Für ihre religiöse Überzeugung traten sie auch nach der nationalsozialistischen Machtübernahme und dem damit einhergehenden Verbot der Betätigung für die Ziele der Ernsten Bibelforscher ein, und so waren fast alle Mitglieder der Familie gravierenden Verfolgungsmaßnahmen durch die Gestapo ausgesetzt.

Der jüngste Bruder Johann (geb. 1903) war im Dezember 1940 in Brandenburg hingerichtet worden, weil er weder Waffendienst noch einen Eid leisten wollte. Die Schwester Konrads, Barbara (geb. 1897), wurde im Spätherbst 1943 festgenommen. Obwohl sie nur "Sympathisantin" war, warf man ihr vor, einen 17-jährigen Zeugen Jehovas darin bestärkt zu haben, einer Einberufung zum Reichsarbeitsdienst (RAD) nicht Folge zu leisten. Im Februar 1944 wurde sie ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück überführt. Nach einem Todesmarsch von Ravensbrück nach Schwerin wurde sie dort am 27. April 1945 befreit.

Sein Sohn Konrad junior (geb. 1922) verweigerte 1941 die Annahme seines Wehrpasses und seine Einberufung zur Wehrmacht. Nach seiner Verhaftung im August 1941 wurde er im Februar 1942 vom Reichskriegsgericht wegen "Zersetzung der Wehrkraft" zum Tode verurteilt und Ende März 1942 ebenfalls in Brandenburg hingerichtet.

Image
Seibold_Konrad_PK
Dachauer Häftlings-Personal-Karte, Konrad Seibold

 Am 31. Oktober 1942 wurden Konrad Seibold und sein Bruder Josef (siehe Biografie) von der Gestapo verhaftet. Sie kamen zusammen in das Polizeigefängnis Welzheim. Am 10. März 1943 wurden die Brüder in das KZ Dachau eingeliefert wo sie die Häftlingsnummern 46453 (Konrad) und 46454 (Josef) erhielten. Auf der später ins KZ Mauthausen mitgeschickten Dachauer Häftlings-Personal-Karte wird als besonderes Kennzeichen eine Schusswunde am rechten Oberschenkel vermerkt. Unklar bleibt, ob diese Verletzung zum Zeitpunkt der Einweisung noch frisch oder bereits vernarbt war. Interessanterweise ist auf der Personalkarte des Bruders Josef als besonderes Kennzeichen eine 8 cm lange Schnittwunde am Rücken eingetragen. Entweder waren  die beiden Brüder bei ihrer Verhaftung verletzt worden, oder sie waren zu einem früheren Zeitpunkt einem bewaffneten Überfall ausgesetzt gewesen.

Am 17. August 1944 wurden Konrad und Josef gemeinsam von Dachau in das KZ Mauthausen überstellt, wo man sie einen Tag später als Zugang registrierte (Häftlingsnummer für Konrad: 90318). Ab 27. August 1944 leisteten beide im KZ Linz III in den dortigen Hermann-Göring-Werken Zwangsarbeit.

Konrad Seibold senior überlebte die unmenschlichen Strapazen der Sklavenarbeit nicht. Nur drei Wochen vor der Befreiung des Lagers starb er am 14. April 1945. Das Totenbuch, in dem in aller Regel fiktive Todesursachen eingetragen wurden, vermerkt "Herzschwäche Collaps". Mithäftlinge berichteten hingegen, dass Konrad Seibold verhungert sei.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt die letzte Wohnadresse von Konrad Seibold, Uhrmachergasse 23 in 89077 Ulm-Söflingen.

 

Quellen und Literatur

ITS Digital Archive, Arolsen Archives
1.1.26.3 Individuelle Häftlingsunterlagen Männer KL Mauthausen, Konrad Seibold
1.1.6.7 Schreibstubenkarten Dachau/Konrad Seibold
1.1.6.12 Dachau-Sammlung des Zentralkomitees der befreiten Juden in der US Zone/ Transportlisten nach den Konzentrationslagern, Nr. 128451749

Searching Dachau Concentration Camp Records in One Step (https://stevemorse.org/dachau/dachau.html)

Memorial Mauthausen (online: https://raumdernamen.mauthausen-memorial.org/)

www.stolpersteine-fuer-ulm.de, Biografie von Hans Sautter

Ursula Krause-Schmitt: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Baden-Württemberg II. Frankfurt-Bockenheim 1997, S. 302 (hier irrtümliche Angaben zu den verwandtschaftlichen Beziehungen)

Bildnachweis: ITS Digital Archive, Arolsen Archives, 1.1.26.3 Dokument Nr. 1754834


© Text und Recherche:
Sigrid Brüggemann, Stuttgart
Stand: November 2021
www.kz-mauthausen-bw.de