Direkt zum Inhalt

Kurt Mai (1907 - 1940)

24.05.1938 KZ Buchenwald
07.03.1940 KZ Mauthausen
17.03.1940 Tod KZ Mauthausen

Kurt Richard Gorski kam am 3. Mai 1907 im sächsischen Zittau als Sohn der Fabrikarbeiterin Auguste Gorski zur Welt. Da er ein uneheliches Kind war, wurde, wie damals in solchen Fällen üblich, ein Pfleger für ihn bestellt. Am 1. Juni 1923 bekam Kurt auf den Antrag seines Stiefvaters, Max Richard Mai, hin dessen Nachnamen. Beruflich wurde Kurt Mai als Bürstenmacher tätig und wohnte in der Kieslerstraße 32 in Zittau. Am 29. September 1929 heiratete er die 18 Jahre ältere und bereits geschiedene Fabrikarbeiterin Alma Frieda Wünsche, geborene Scholze. Die Ehe wurde später geschieden. 
Da Mai eine Hilfsschule besucht hatte, betrachteten die Mitarbeiter des Gesundheitsamts Zittau ihn als „verdächtig“, an „angeborenem Schwachsinn“ zu leiden. Er wurde mit einer Karte in der „Erbbiologischen Kartei“ des Gesundheitsamts erfasst. Das Gesundheitsamt Zittau machte hierüber auch im November 1937 eine Meldung an das Gesundheitsamt im württembergischen Waiblingen, wohin er inzwischen verzogen war. Dort wohnte er im Ameisenbühl, einer Straße, die heute in einem Industriegebiet liegt.
Das Gesundheitsamt Zittau zeigte Mai darüber hinaus im Dezember 1937 beim Amtsarzt in Stuttgart an. Es ist zu vermuten, dass es sich hierbei um eine Anzeige zur Sterilisation handelte. Jedoch konnte nicht ermittelt werden, ob ein „Erbgesundheitsgericht“ die Sterilisation von Kurt Mai anordnete.  Im Zuge der ersten Verhaftungswelle der Aktion „Arbeitsscheu Reich“, die reichsweit am 21. April 1938 stattfand, wurde Mai auf die Anordnung der Staatspolizeileitstelle Stuttgart hin festgenommen. Die Aktion der Gestapo bezog sich vor allem auf Personen, die als prinzipiell arbeitsfähig, jedoch als unzuverlässige Arbeitskräfte betrachtet wurden, etwa weil sie mehrere Arbeitsangebote abgelehnt oder häufig die Arbeitsstelle gewechselt hatten. Im Fall von Kurt Mai kann anhand der überlieferten Dokumente nicht rekonstruiert werden, was genau ihm vorgeworfen wurde. Sein letztes Arbeitsverhältnis scheint er bei dem Gipsermeister Geyer in Fellbach gehabt zu haben, bei dem sich seine Versicherungskarte befand.
Nach mehrwöchiger Haft wurde Kurt Mai gemeinsam mit 96 weiteren Betroffenen der Aktion aus Württemberg und Hohenzollern per Omnibus in das Konzentrationslager Buchenwald transportiert, in dem die Gruppe am 24. Mai 1938 eintraf. Im Lager wurde ihm die Häftlingsnummer 4047 und der Block 26 als Häftlingsbaracke zugewiesen. Als Betroffener der „Aktion Arbeitsscheu Reich“ wurde er vermutlich mit dem stigmatisierenden schwarzen Winkel auf seiner Häftlingskleidung als vermeintlicher „Asozialer“ gekennzeichnet. 
Überlebende anderer Häftlingsgruppen schrieben den KZ-Häftlingen mit dem schwarzen Winkel oft pauschal unsolidarische Verhalten zu. Anscheinend beging Kurt Mai angesichts des Hungers im Lager eine solche verzweifelte Handlungsweise: Wegen „Brotdiebstahl bei Mithäftlingen“ wurde er am 2. Juli 1938 mit zehn Stockhieben und drei Tagen strengem Arrest bestraft. Anschließend war er bis zum 30. September 1938 zur Bestrafung einer Sonderabteilung zugeteilt. Laut Aufzeichnungen bei mehreren Zählappellen war er Ende Dezember 1938 im Block 25 untergebracht.
Am 7. März 1940 wurde Kurt Mai in das Konzentrationslager Mauthausen verlegt, das als reichsweit einziges Konzentrationslager der Stufe III besonders „schwerbelastete, unverbesserliche […] kaum noch erziehbare“ Häftlinge eingewiesen sollten. Die Verlegung aus anderen Konzentrationslagern nach Mauthausen sollte als Haftverschärfung wirken, bei der der Tod der Häftlinge einkalkuliert wurde. Daher überrascht es auch nicht, dass Kurt Mai bereits zehn Tage später, am 17. März 1940, in dem Lager starb. Als Todesursache wurde eine „Allgemeine Sepsis“ sowie „Herz- und Kreislaufschwäche“ angegeben. Sein Leichnam wurde auf die Anordnung des Konzentrationslagers im Krematorium in Steyr eingeäschert.

 

Quellen und Literatur


Arolsen Archives, 1.1.5 Konzentrationslager Buchenwald, Sign. 5277659, 5302302, 5302369, 5333737, 5333765, 5333768, 5333772, 5339338, 5393843, 5393844, 5400807, 6543531, 6543532, 6543532, 6543533, 6543534, 130542246, 136347350

Arolsen Archives, 1.1.26 Konzentrationslager Mauthausen, Sign. 1301159, 1303237, 1319104, 5300748, 99074917, 131532064, 131538564

Hauptstaatsarchiv Weimar, KZ u. Hafta. Buchenwald 4 Bd. 2, Einlieferungsbuch 21.5.1938-10.11.1938.

Stadtarchiv Zittau, 359/1907, Zittau: Geburtsurkunde Kurt Mai.

Stadtarchiv Zittau, Adressbuch Zittau, 1924.

Stadtarchiv Zittau, 14/1929, Eckartsberg: Eheschließungsurkunde Kurt Mai.

Staatsfilialarchiv Bautzen, 50040, Nr. 721: Gesundheitsamt Zittau, Patientenakte Kurt Richard Gorsky gen. Mai, geb. 3.5.1907.

Ayaß, Wolfgang: „Asoziale“ im Nationalsozialismus, Stuttgart 1995.

Kolata, Jens: Die Aktion „Arbeitsscheu Reich“ in Württemberg und Hohenzollern. Eine Verhaftungsaktion der Gestapo in regionaler Perspektive, in: Becker, Kai Michael/Bock, Dennis/Illig, Henrike (Hrsg.): Orte und Akteure im System der NS-Zwangslager. Ergebnisse des 18. Workshops zur Geschichte und Gedächtnisgeschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Berlin 2015, S. 118-141.

 

Drucken