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Otto Elsenhans (1901 - 1974)

Karlsruher Kommunist und VVN-Mitglied

20.06.1935 Verhaftung
08.01.1937 Zuchthaus Ludwigsburg
12.07.1939 KZ Dachau
29.09.1939 KZ Mauthausen
15.08.1940 KZ Dachau
02.06.1945 Entlassung aus dem Lager Dachau

Otto Friedrich Elsenhans wurde am 30. September 1901 in Karlsruhe als Sohn des Schneidermeisters Philipp Elsenhans und seiner Ehefrau Christine geboren. Er besuchte an seinem Geburtsort die Volksschule und begann danach eine Ausbildung zum Zahntechniker, die er jedoch nicht abschloss. Gründe hierfür waren offenbar ein ungünstiges soziales Umfeld und kriminelle Vergehen. Erstmalig verurteilt wurde er am 21. Februar 1917, dabei erhielt er wegen Unterschlagung eine kleine Geldstrafe. Es folgte im Mai 1918 eine dreimonatige Gefängnisstrafe wegen Einbruchdiebstahls. Während der Haftzeit wurde Zwangserziehung angeordnet. Nach Strafende kam Otto Elsenhans deshalb vom Gefängnis Bruchsal in die badische Erziehungsanstalt Schloss Flehingen bei Karlsruhe. Im April 1919 entwich er aus der Anstalt und verdingte sich für einige Monate bei einem Bauern. Als er wieder aufgegriffen wurde, gab er zu Protokoll: "Ich halte es in Flehingen nicht aus. Ich werde noch schlechter, weil die Buben, die noch dort sind, sehr verdorben sind". Nachdem er erneut aus Flehingen entflohen war, leistete er ein Jahr Militärdienst und kam danach unter Schutzaufsicht des Jugendamtes. 1920 ging er für zwei Jahre zur Reichswehr und kehrte anschließend nach Karlsruhe zurück. Danach war er als Hilfsarbeiter beschäftigt. Seit 1928 war er arbeitslos. Im selben Jahr heiratete er Anna, geborene Deuchler, Kinder gingen aus der Ehe keine hervor. Mit dem Gesetz kam Elsenhans wiederholt in Konflikt und wurde wegen krimineller Delikte bestraft.

Politisch war er kommunistisch orientiert. 1930 trat er der der Kommunistischen Partei (KPD) nahestehenden Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit („Rotsport“) bei und wurde auch Mitglied der KPD. Elsenhans war der Politischen Polizei als Kommunist bekannt. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde bei ihm im März 1933 verschiedenes kommunistisches Material beschlagnahmt, der damaligen Verhaftungswelle entging er jedoch.

In der Illegalität betätigte er sich weiter für seine Partei, auch nachdem die meisten klandestinen Gruppen in Karlsruhe enttarnt und deren Mitglieder festgenommen worden waren. Im Mai 1936 erhielt er von dem sich im Baseler Exil aufhaltenden kommunistischen Funktionär Rudolf Pfefferle, mit dem er persönlich bekannt war, den Auftrag, für den Aufbau der kommunistischen Roten Hilfe Deutschlands (RHD) zwei oder drei Mitarbeiter zu gewinnen und mit diesen zur politischen Instruktion nach Basel zu kommen. Man las Schweizer Tageszeitungen und diskutierte über sie wie auch über kommunistische Literatur. Über die Hinweise zum Aufbau einer RHD-Gruppe hinaus erhielt Elsenhans auch genaue Anweisungen für die Reorganisation der KPD in Karlsruhe. Dies betraf insbesondere die taktische Neuausrichtung. Da die bisher vorgenommene Verteilung illegaler Druckschriften viele Opfer gekostet hatte, wollte man sich künftig auf die mündliche Vermittlung der Propaganda beschränken. Doch trotz der erhöhten Vorsicht flogen die Verbindungen auf und es folgten zahlreiche Verhaftungen.

Am 20. Juni 1936 wurde Elsenhans in Karlsruhe verhaftet; die Verhaftung soll durch die Gestapobeamten Münch und Eisenhauer erfolgt sein. Er wurde zusammen mit 14 Genossen der „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ angeklagt. Am 8. Januar 1937 verurteilte ihn das Oberlandesgericht Karlsruhe zu 3 Jahren Zuchthaus abzüglich 6 Monate Untersuchungshaft. Als straferhöhend wurde die Liste seiner Vorstrafen gewertet, aufgrund welcher der anklagende Staatsanwalt sich hervorzuheben befleißigte, dass Elsenhans „das Bild eines arbeitsscheuen und gewalttätigen Menschen“ abgebe. Die Strafe verbüßte Elsenhans im Zuchthaus Ludwigsburg. Pünktlich zum Strafende am 8. Juli 1939 wurde er von der Gestapo in Empfang genommen. Die für ihn zuständige Stapoleitstelle Karlsruhe verhängte Schutzhaft.

Bereits wenige Tage später, am 12. Juli 1939, traf Otto Elsenhans im Konzentrationslager Dachau ein, wo er die Häftlingsnummer 34560 mit der Kategorie „Sch“ (Schutzhaft) zugeteilt bekam. Als seinen Beruf gab er neben „Dentist“ auch den seines Vaters an, vielleicht in der Hoffnung, als Schneider bessere Arbeitsbedingungen im Lager zu erhalten. Als Funktionshäftling war er „Stubenältester“.

Im Zusammenhang mit der vorübergehenden Nutzung des Lagers Dachau nach dem deutschen Überfall auf Polen für Ausbildungszwecke der SS wurde Elsenhans mit einem 1.600 Häftlinge umfassenden Transport am 27./29. November 1939 in das KZ Mauthausen überstellt. Nähere Informationen über Elsenhans' Aufenthalt im KZ Mauthausen liegen nicht vor. Wahrscheinlich musste er wie die meisten seiner Schicksalsgenossen im Steinbruch arbeiten.

Am 15. August 1940 wurde er ins KZ Dachau zurückgeführt. Die Überstellung erfolgte mit einem von Mauthausen abgehenden Transport von 1000 Häftlingen. Bei der Ankunft erhielten die Häftlinge neue fortlaufende Nummern. Elsenhans war nun Dachau-Schutzhäftling Nummer 14420. Er wurde in Block 25 untergebracht und „Blockältester“. Im Februar 1942 kam er aus nicht genannten Gründen für drei Tage in „Kommandanturarrest“: in dem „Bunker“, wie ihn die Häftlinge bezeichneten, vollzog die SS verschärfte Strafmaßnahmen.

Für den 20. August 1944 ist Elsenhans' Anwesenheit im Dachauer KZ-Außenlager München-Riem belegt. Dort mussten hunderte Häftlinge nach Bombardierungen im Auftrag der Organisation Todt (OT) Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten am Flughafen München-Riem leisten. Anfang Januar 1945 kam er in das KZ-Außenlager Bäumenheim, wo mehr als 500 KZ-Häftlinge für die Messerschmitt AG in der Rüstungsindustrie arbeiteten. Bei Annäherung der US-Truppen wurde das Lager Bäumenheim Anfang April geräumt und die Gefangenen mit der Bahn nach Landsberg zum KZ-Außenlagerkomplex Kaufering transportiert. Von dort wurde er zusammen mit anderen Häftlingen dem Stammlager Dachau zu Fuß bei Nacht überstellt. Am 29. April 1945 durch die US-Army befreit, konnte er das Lager Dachau erst nach Ablauf der wegen Thyphusgefahr verhängten Quarantäne am 2. Juni 1945 verlassen. Danach kehrte er nach Karlsruhe zurück.

Hier nahm er bei der "Special Branch Investigation" der US-Militärregierung eine Tätigkeit als externer Ermittler an. Daraufhin ging bald eine – von in der Quelle nicht genannter Seite vorgebrachte - Beschwerde bei der US-Militärregierung ein, dass die Sonderabteilung Betrüger und Diebe („crocks and thieves as Elsenhans“) als Ermittler zulasse. Die US-Ermittlungsbehörde war über Elsenhans' Vergangenheit unzulänglich informiert, so war sie beispielsweise der Meinung, dieser habe die Zeit von 1936 bis 1939, als er im Zuchthaus einsaß, im KZ verbracht. Seine früheren kriminellen Haftstrafen ab 1917 waren allerdings sehr wohl bekannt. Weil das aber lange her war, erschien dies als kein Hinderungsgrund ihn zu beschäftigen.

Es folgten jedoch weitere Beschwerden gegen Elsenhans als Mitarbeiter der Militärregierung. Am 13. Dezember 1945 war Elsenhans mit zwei Männern sowie einem früheren Mieter mit einem Auto der Militärregierung vor einem Wohnhaus in Karlsruhe vorgefahren. Dort hatte es zuvor einen Zwist um die Wohnberechtigung zwischen dem früheren Mieter, einem Parteifreund des Elsenhans, und dem Sohn des Hauseigentümers um die Wohnberechtigung gegeben, wobei das Wohnungsamt zugunsten des Eigentümers entschieden hatte. Elsenhans und seine zwei nicht bei der Militärregierung angestellten Begleiter gaben sich wahrheitswidrig als Beauftragte der Militärregierung aus, um die vermeintlichen Rechte des befreundeten früheren Mieters durchzusetzen. Der sich von Elsenhans bedroht fühlende Eigentümer beschwerte sich bei der Special Branch der Militärregierung. Von seinem Vorgesetzten bei der Special Branch zur Rede gestellt, gab Elsenhans vage an, dies sei ein alter Fall oder eine alte Rechnung („an old job“) gewesen, und man beließ ihn zunächst als Mitarbeiter in der amerikanischen Spezialabteilung. Es folgte eine weitere Anzeige gegen Elsenhans. Anfang 1946 gab er sich erneut fälschlich als von der Militäregierung beauftragt aus, diesmal um einen vom Oberbürgermeister eingesetzten stellvertretenden Schornsteinfeger in einem Kehrbezirk durch einen von ihm protegierten Kandidaten zu ersetzen. Im Glauben, Elsenhans habe tatsächlich im Auftrag der US-Behörden gehandelt, appellierte die Karlsruher Kaminfegerinnung „an den Gerechtigkeitssinn einer hohen Militärregierung", dessen Entscheidung rückgängig zu machen. Dieser erneute Fall von Amtsanmaßung war dann doch zu viel. Elsenhans wurde umgehend am 1. Februar 1946 aus dem Dienst der Special Investigation Branch entlassen.

Elsenhans, der nach dem Krieg in der Klauprechtstraße 42 in Karlsruhe wohnte, versuchte sich in der Folgezeit als selbständiger Fuhrunternehmer und bemühte sich um eine Zulassung der Fa. Klempp & Elsenhans als Betrieb für Güternah- und Fernverkehr und Autovermietung. Es gelang ihm aber nicht, sich mit der Firma eine stabile wirtschaftliche Existenz aufzubauen.

Nachdem er am 4. März 1947 eine Registrierkarte für politisch Verfolgte erhalten und im Folgemonat 1.000.- Reichsmark als Soforthilfe bezogen hatte, stellte er am 1. Juni 1947 seinen Antrag auf Wiedergutmachung. Da das Verfahren sich hinzog und er sich in einer finanziellen Notlage befand, beantragte er im darauf folgenden Jahr erneut Soforthilfe: „Durch die Währungsreform momentan Geschäftsstillstand... Durch einen Autounfall ist es mir nicht möglich, zur Zeit in Verdienst zu kommen, da der Wagen 70% beschädigt ist. Zum Kaufe des mir zugeteilten Anzuges aus dem Staatsauftrag sowie einiger dringender Anschaffungen benötige ich dringend ein zusätzliches Darlehen“. Die Soforthilfe wurde ihm zusätzlich zu seiner Rente gewährt, ebenso wie auch weitere Beihilfen in den folgenden Jahren. Am 18. Mai 1957 wurde vom Finanzamt Karlsruhe wegen ausstehender Steuerschulden Elsenhans' Anspruch auf Entschädigung beim Landesamt für die Wiedergutmachung gepfändet. 1963 war eine Klage des Elsenhans – vertreten durch Alfred Hausser, Stuttgart – bei der Entschädigungskammer I des Landgerichts Karlsruhe gegen das Land Baden-Württemberg wegen Entschädigung anhängig.

Lange Zeit war Elsenhans bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) aktiv. Bereits im Mai 1946 war er Karlsruher Vertreter des auf Landesebene gegründeten Landesausschuss für politisch Verfolgte, dem Vorläufer der VVN, gewesen. Im VVN Kreisvorstand Karlsruhe war er bis kurz vor seinem Tod als Kassier tätig. Otto Elsenhans starb am 19. Februar 1974 in Karlsruhe.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Elsenhans' Wohnadresse vor seiner Verhaftung: Waldstraße 29 in Karlsruhe.

 

Quellen

ITS Digital Archive, Arolsen Archives 
Korrespondenzakte TD 905646
Doc. 1428381
Doc. 10033213, 10033214
Doc. 128460380 
Doc. 10637867 
0.1 / 20107645

Bundesarchiv 
R 3017/36283
R 3018/82 
R 3018/3456 
R 3018/6166

Staatsarchiv Ludwigsburg
E 356 d V Bü 1453

Generallandesarchiv Karlsruhe
480 Nr. 1629 (Wiedergutmachung)
484-1 Nr. 2841 Zöglingsakte Erziehungsheim Schloss Flehingen, Laufzeit 1918-1919
465 c Nr. 180, enthält US-Investigation betr. Ermittler Elsenhans, 10 Blatt

VVN-Archiv Stuttgart
D 643 (anonymer Bericht 1.4.1947)

VVN-BdA Kreisvereinigung Karlsruhe: Otto Elsenhans (https://karlsruhe.vvn-bda.de/elsenhans-otto/)

 

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