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Otto Kötzle

22.04.1943 KZ Mauthausen
14.04.1945 aus KZ Mauthausen zu SS-Kampfeinheit entlassen

Otto Kötzle wurde am 24. Mai 1920 in Vaihingen (heute: Stuttgart-Vaihingen) geboren und evangelisch getauft. Über sein Leben ist uns außer den wenigen Angaben, die in Dokumenten bei den Arolsen Archives überliefert sind, nichts bekannt. Von Beruf war er Schlosser und wohnte laut Angabe auf seiner Mauthausener Häftlings-Personalkarte zuletzt in der Rote Straße 44 (heute Theodor-Heuss-Straße) in Stuttgart.

Am 22. April 1943 kam Otto Kötzle zusammen mit anderen Justizhäftlingen in das Konzentrationslager Mauthausen. Er wurde dort als Sicherungsverwahrter („SV“) registriert und erhielt die Häftlingsnummer 27702.1 Wir wissen weder, welche Straftaten er im Laufe seines jungen Lebens begangen hat, noch wie lange und wo er vor seiner Deportation im Gefängnis oder Zuchthaus einsaß.

Am 10. September 1943 wurde er in das KZ-Außenlager Schwechat verlegt und dort als Schlosser eingesetzt. 1942 verlegten die Heinkel-Werke ihre Flugzeugfertigung auf das Areal des heutigen Flughafens Wien-Schwechat. Am 30. August 1943 wurde dort das KZ-Außenlager Schwechat in Betrieb genommen, in dem Häftlinge des KZ Mauthausen Zwangsarbeit beim Flugzeugbau leisten mussten.

Ungefähr ab Anfang März 1945 begannen Teile der Lager-SS zunächst bei den reichsdeutschen und österreichischen politischen Häftlingen für einen Eintritt in eine militärische „Lagerformation“, die gemeinsam mit der SS gegen die anrückenden US-amerikanischen und sowjetischen Truppen kämpfen sollte, zu werben. Bis Mitte April wurden zudem auch kriminelle Häftlinge („BV“ und „SV“) dafür rekrutiert. Die für den militärischen Einsatz bestimmten Häftlinge wurden formell aus der Lagerhaft entlassen und in Kampfeinheiten aufgeteilt. Teilweise erhielten sie in nahegelegenen Außenlagern eine kurze militärische Ausbildung, einige wenige Waffen und wurden in SS-Uniformen gesteckt, teilweise blieben sie im Hauptlager. Zu Kampfhandlungen kam es aber, bis auf wenige Ausnahmen, nicht mehr und die ehemaligen KZ-Häftlinge begaben sich mit den sie begleitenden SS-Männern Anfang Mai 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Otto Kötzles Name findet sich auf einer Überstellungsliste des KZ Mauthausen vom 14. April 1945, die 233 Namen, darunter zehn Häftlinge aus dem heutigen Baden-Württemberg, umfasst. Er wurde also noch rekrutiert und geriet vermutlich um den 5. Mai 1945 entweder in amerikanische Kriegsgefangenschaft, oder er wurde im Lager von der US-Armee befreit.2
Außerdem ist sein Name auf einer Liste vom 27. Mai 1945 mit kriminellen Häftlingen zu finden, die das Lager Mauthausen ohne Überprüfung ihrer Fälle verlassen haben. Was jedoch, wie die US-Dienststelle ausdrücklich vermerkte, nicht bedeutete, dass sie beim Verlassen des Lagers Befehle missachtet hätten. Über das weitere Schicksal Otto Kötzles ist uns nichts bekannt. In den Arolsen-Dokumenten finden sich lediglich noch eine Auskunft über seine KZ-Inhaftierung vom 25. September 1963, die an den Oberstaatsanwalt beim Landgericht Wiesbaden ging, und eine vom 12. Mai 1964 an den Oberstaatsanwalt in Köln. Dabei dürfte es eher um Vorermittlungen zu NS-Gewaltverbrechen allgemein als speziell um das persönliche Schicksal Kötzles gegangen sein. Die Staatsanwaltschaft Köln war zu dieser Zeit Zentralstelle für die Bearbeitung von NS-Massenverbrechen in Konzentrationslagern.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Otto Kötzles vermutlich letzte frei gewählte Wohnadresse Rote Straße 44 (heute Theodor-Heuss-Straße) in Stuttgart.

 

  • 1

    Im September 1942 vereinbarte Reichsjustizminister Otto Georg Thierack mit dem Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler die schubweise Auslieferung aller Sicherungsverwahrten, die bisher der Justiz unterstanden und in den Sicherungsanstalten einsaßen, an die Polizei (nur Gestapo oder Kripo konnten, über Antrag beim Reichsicherheitshauptamt, KZ-Einweisungen vornehmen). In den Konzentrationslagern sollten sie - wie es explizit hieß - der „Vernichtung durch Arbeit“ preisgegeben werden.

  • 2

    Vgl. hierzu Hans Maršalek, Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen, S. 321 – 338.

Quellen und Literatur

Arolsen Archives
1.1.26.3 Individuelle Häftlingsunterlagen Männer KL Mauthausen, Otto Kötzle
Korrespondenzakte TD 911672
Doc. 1310889
Doc.: 1304684

Hans Maršálek: Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. 3. Auflage, Wien 1995, S. 321 – 338.

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