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Ulrich Haas (1890 - 1943)

11.01.1937 Anordnung der Sicherungsverwahrung
07.01.1943 KZ Mauthausen
12.03.1943 Tod im KZ Gusen

Ulrich Haas wurde am 30. Juni 1890 in Reutlingen geboren. Er hatte acht Geschwister. Der Vater war selbstständiger Schuhmacher und starb bereits 1906. Die Mutter war schwer herzkrank und starb 1912.

Über das Leben von Ulrich Haas ist uns nur wenig bekannt. Er besuchte die Volksschule bis zum Abschluss und begann anschließend eine Ausbildung in einer Spinnerei. Danach arbeitete er als Hilfsarbeiter.

Häufig kam er mit dem Gesetz in Konflikt. Erstmalig wurde er 1905 wegen Diebstahls verurteilt. Ab Juli 1906 war er in der Erziehungsanstalt Schönbühl im heutigen Kreis Schorndorf untergebracht. Von dort entfloh er jedoch noch im selben Monat und wurde erst Anfang März 1907 wieder aufgegriffen. 1908 endete die Zeit seiner Fürsorgeerziehung.

Bis 1936 wurde er in 26 Strafverfahren zu insgesamt 4 Jahren 10 Monaten Gefängnis, 16 Jahren Zuchthaus und 14 Jahren Ehrverlust verurteilt. Bei seinen Delikten handelte es sich vor allem um Diebstahl und Bettelei, begangen im Raum Reutlingen, Stuttgart, Heilbronn und Böblingen. Nach einer Beurteilung seiner Person durch das Zuchthaus Ludwigsburg machte er „eigentlich keinen dummen Eindruck“ und wurde als „eher stiller Charakter mit keinerlei Neigung zu Gewalttätigkeit“ beschrieben. Gleichwohl erhielt er, im Vergleich mit den Vorstrafen zahlreicher anderer Sicherungsverwahrter, ungewöhnlich hohe Zuchthausstrafen.
Am 11. Januar 1937 schließlich erfolgte die letzte Verurteilung zu fünf Jahren Zuchthaus mit anschließender Sicherungsverwahrung durch das Landgericht Stuttgart. 
Ein Schreiben des Oberstaatsanwalts des Landgerichts Stuttgart vom 10. Juni 1937 an das Zuchthaus Ludwigsburg ordnete an, Haas zu befragen, ob er Orden und Ehrenzeichen besäße, wo sich diese gegebnenfalls befänden und ob er zu deren freiwilliger Herausgabe bereit wäre. Haas jedoch gab an, nie dergleichen besessen zu haben.

Im September 1942 vereinbarte Reichsjustizminister Otto Georg Thierack mit dem Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler die schubweise Auslieferung aller Sicherungsverwahrten, die bisher der Justiz unterstanden und in den Sicherungsanstalten einsaßen, an die Polizei. In den Konzentrationslagern sollten sie der „Vernichtung durch Arbeit“ preisgegeben werden.
Ulrich Haas, der nach Verbüßung seiner Haftstrafe in die Sicherungsanstalt (eine Abteilung im Gefängnis, in die die Sicherungsverwahrten nach Strafverbüßung in den Maßregelvollzug überführt wurden) Schwäbisch Hall verlegt worden war, wurde am 7. Januar 1943 mit einem Transport von 117 Sicherungsverwahrten (davon 88 aus dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg) von Schwäbisch Hall in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Er wurde dort als Sicherungsverwahrter („SV“) registriert und erhielt die Häftlingsnummer 20693. Vermutlich wurde er bereits Mitte Januar 1943 in das nahegelegene KZ Gusen verlegt, wo man die Häftlinge vor allem beim Stollenbau für die Untertageproduktion von Jagdflugzeugen einsetzte und wo die „Vernichtung durch Arbeit“ durch Schwerstarbeit rücksichtslos praktiziert wurde. Ulrich Haas starb hier am 12. März 1943 im Alter von 52 Jahren als ein weiteres Opfer dieser rechtswidrigen Übereinkunft von Justiz und SS.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Ulrich Haas' Geburtsort Reutlingen.

Quellen

Staatsarchiv Ludwigsburg
E 356 d V Bü 1456
E 356 d III Bü 904

Memorial Mauthausen
(https://raumdernamen.mauthausen-memorial.org/)

Archiv Memorial Mauthausen 
Häftlingsdatenbankauszug vom 6.10.2023

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