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Wilhelm Heinzmann

(geb. 1896)

Badischer „Gewitter“-Häftling

23.08.1944 KZ Natzweiler
06.09.1944 KZ Dachau
14.09.1944 KZ Mauthausen
02.11.1944 Entlassung aus KZ Mauthausen

Wilhelm Heinzmann wurde am 27. Juli 1896 in St. Georgen im Schwarzwald geboren, wo er acht Jahre die Volksschule und anschließend die Gewerbeschule besuchte. Von Beruf war er Feinmechaniker, Uhrmacher und Techniker. Er war verheiratet mit Emma, geborene Fichter, hatte zwei Kinder und wohnte in seinem Geburtsort in der Spittelbergstraße 8a.

Heinzmann war seit 1918 gewerkschaftlich organisiert, seit 1925 Mitglied der SPD und Mitglied der religiösen Sozialisten. Vor 1933 war er vier Jahre Stadtverordneter in St. Georgen und langjähriges Vorstandsmitglied des SPD-Ortsvereins. 1930 bis zur NS-Machtübernahme war er erster Vorsitzender des sozialdemokratisch dominierten Wehrverbandes „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ an seinem Heimatort.

Im Zuge der reichsweiten Verhaftungsaktion „Gewitter“ (auch „Aktion Gitter“ und „Aktion Himmler“ genannt) nach dem Umsturzversuch des 20. Juli 1944 wurde er am 22. August 1944 von der Ortspolizei im Auftrag der Gestapo zusammen mit zehn weiteren Betroffenen in St. Georgen verhaftet und in das Amtsgefängnis nach Villingen überführt. Die Aktion „Gewitter“ betraf ehemalige Funktionäre und Mandatsträger der Sozialdemokraten, Kommunisten und des Zentrums sowie weiterer Parteien der Weimarer Republik. Am folgenden Tag wurde Heinzmann von der Gestapo – Stapoleitstelle Karlsruhe – in das Konzentrationslager Natzweiler im Elsass eingewiesen und erhielt dort die Häftlingsnummer 23179 „Pol. RD“ (reichsdeutscher politischer Schutzhäftling). Seine Zivilkleidung, sein Geldbeutel mit 217.- Reichsmark, sein Taschenmesser und sein goldener Ehering wurden ihm abgenommen. Das Stammlager Natzweiler wurde wenig später aufgelöst. Heinzmann: „Durch die überraschende Einnahme von Metz durch die Engländer musste das Lager Natzweiler binnen drei Tage geräumt werden“.

Er kam per Sammeltransport am 4./6. September 1944 in das KZ Dachau, wo er als Schutzhäftling Nummer 101699 eingeschrieben wurde. Bereits am 14./16. September 1944 erfolgte jedoch, ebenfalls per Sammeltransport, die Überstellung von Dachau in das Konzentrationslager Mauthausen. Heinzmann: „Durch die dauernde Einlieferung in das KZ Lager Dachau von Polen, Russen und Juden“ sei es zu dieser Massenüberstellung nach Mauthausen gekommen. Hier wurde ihm die Häftlingsnummer 98225 „Polit“ zugeteilt. Er musste im Steinbruch arbeiten. Heinzmann: „Im KZ Mauthausen erkrankte ich an schwerer Ruhr und rechter Hüftgelenkentzündung. Die Krankheit wurde hervorgerufen durch schlechtes unzureichendes Essen, Erkältungen und Misshandlungen“.

Am 2. November 1944 wurde er aus dem KZ Mauthausen entlassen. Der auf selbigen Tag datierte Entlassungsschein der Kommandantur des KZ Mauthausen enthielt für den Betroffenen die in diesen Fällen gängige Auflage: „Sie haben sich bei der Ortspolizeibehörde Ihres Wohnortes und sofort bei der Geheimen Staatspolizei Karlsruhe zu melden“.

Image
Heinzmann Kurhaus
Schreiben des KZ-Erholungsheims an Wilhelm Heinzmann, StAF F 196/1 Nr. 2431

Seit seiner KZ-Entlassung war Wilhelm Heinzmann in dauernder ärztlicher Behandlung. Am 25. März 1946 stellte er bei der Zweigstelle Villingen der Badischen Landesstelle für die Betreuung des Opfer des Nationalsozialismus einen Wiedergutmachungsantrag. Ein gutes Jahr danach musste er ein entsprechendes Antragsformular erneut ausfüllen. In der Zeit vom 23. Dezember 1944 bis zum 19. Januar 1948 erhielt er einen Platz im „K.-Z.-Erholungsheim Haus Rubens für politisch, rassisch und religiös Verfolgte“ in Baden-Baden. Auch im Juli 1950 war er zur Heilbehandlung in Baden-Baden. Für seine Wiedergutmachungsangelegenheiten war später die Außenstelle Freiburg des Landesamtes für die Wiedergutmachung zuständig.

Heinzmann war in der Nachkriegszeit Mitglied des Badischen Landeswirtschaftsrats als Vertreter der Gewerkschaften für den Bezirk Villingen sowie Mitglied des Landesvorstandes der Arbeiterwohlfahrt für den Bezirk Villingen. In dieser Eigenschaft befasste er sich unter anderem mit einem Konflikt bei der Betreuung der NS-Opfer. In diesem Zusammenhang schrieb er am 22. Juli 1948 an die Badische Landesstelle für die Betreuung der Opfer des Nationalsozialismus: „Zu Eurer Orientierung möchte ich Euch mitteilen, dass der Kreisernährungsleiter und Geschäftsleiter der Landesstelle Freiburg für die Betreuung der Naziopfer für den Kreis Villingen, Hermann Müller und seine Sekretärin [...] seit letzter Woche in Untersuchungshaft sind [...]. In Anbetracht des Ansehens unserer Organisation, bitte ich die Landesstelle Freiburg, die Geschäftsstelle in Villingen einer Prüfung zu unterziehen [...]. Hermann Müller hatte in vielen Kreisen der Naziopfer das Vertrauen nicht und das Ansehen einer objektiven und korrekten Arbeit. Um die Sache in gesunde Bahnen zu lenken, erkläre ich mich zur Mitarbeit bereit“.1 Der Fortgang dieser Angelegenheit ist aus den vorliegenden Quellen nicht zu ersehen, ebenso wie auch Wilhelm Heinzmanns weitere Tätigkeit.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Wilhelm Heinzmanns Wohnadresse Spittelbergstraße 8a in St. Georgen im Schwarzwald.

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1 StAF F 196/1 Nr. 2431

 

Quellen

ITS Digital Archive, Arolsen Archives
1.1.29.2 Individuelle Unterlagen Natzweiler – Wilhelm Heinzmann
1.1.26.3 Individuelle Unterlagen Männer Mauthausen – Wilhelm Heinzmann

Staatsarchiv Freiburg
F 196/1 Nr. 2431
F 196/2 Nr. 2279
D 180/2 Nr. 179657

 

    © Text und Recherche:
    Roland Maier, Stuttgart
    Stand: Oktober 2023
    www.kz-mauthausen-bw.de