Wilhelm Lang
(geb. 1912)
28.05.1940 Anordnung der Sicherungsverwahrung
27.11.1942 KZ Mauthausen
10.04.1943 KZ Auschwitz
Frühjahr 1945 KZ Mittelbau Dora/ Außenkommando Nordhausen
Wilhelm Lang wurde am 6. Juli 1912 in Mannheim geboren und katholisch getauft. Er wohnte zusammen mit seiner Mutter in Heddesheim (im heutigen Rhein-Neckar-Kreis) in der Poststraße 19. Nach einer späteren Angabe seiner Mutter war er Arbeiter. Über sein Leben ist uns nur bekannt, dass er am 28. Mai 1940 vom Landgericht Mannheim zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und sechs Monaten (abzügl. zwei Monaten U-Haft) mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt wurde.
Im September 1942 vereinbarte Reichsjustizminister Otto Georg Thierack mit dem Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler die schubweise Auslieferung aller Sicherungsverwahrten, die bisher der Justiz unterstanden und in den Sicherungsanstalten (Abteilung im Gefängnis,in welche die Sicherungsverwahrten nach Strafverbüßung in den Maßregelvollzug überführt wurden) einsaßen, an die Polizei. Nur Gestapo oder Kripo konnten, über Antrag beim Reichsicherheitshauptamt, KZ-Einweisungen vornehmen. In den Konzentrationslagern sollten sie - wie es explizit hieß - der „Vernichtung durch Arbeit“ preisgegeben werden.
Obwohl Wilhelm Lang seine Haftstrafe noch nicht vollständig verbüßt hatte, wurde er am 27. November 1942 zusammen mit 50 weiteren "Berufsverbrechern" und Sicherungsverwahrten aus der Sicherungsanstalt Straubing in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert, wo er die Kategorie Sicherungsverwahrter („SV") und die Häftlingsnummer 15161 erhielt. Nach einem Datenbankauszug des Mauthausen-Memorial wurde er am 10. April 1943 in das KZ Auschwitz überführt. Außer diesem Eintrag in der Datenbank finden sich keine weiteren Hinweise für eine Inhaftierung im KZ Auschwitz.
Im Januar 1953 beantragte die Mutter Mathilde Lang die Ausstellung einer Sterbeurkunde, die für die Regelung einer Grundbuchangelegenheit benötigt wurde. Sie gab dabei an, die letzte Nachricht von ihrem Sohn im Dezember 1938 aus dem KZ Auschwitz erhalten zu haben1 weshalb das Grundbuchamt vermutete, dass er dort verstorben wäre. Das Grundbuchamt Heddesheim-Baden wandte sich daraufhin an das Sonderstandesamt I in Arolsen. Dies antwortete, dass in ihrer Hauptkartei nichts über einen Fall Wilhelm Lang vermerkt sei. Die Anfrage werde jedoch mit benötigten weiteren Angaben zur Person beim Internationalen Suchdienst Arolsen ITS weiterbearbeitet.
Die Quellenlage im Fall Lang blieb jedoch dünn, teils widersprüchlich, und seine „KZ-Odyssee“ lässt sich nur ungefähr nachzeichnen. Die Nachforschungen des ITS ergaben, dass Wilhelm Lang am 27. November 1942 in das KZ Mauthausen verbracht worden war. Zu einem unbekannten Zeitraum war er offenbar im KZ Groß Rosen mit der Häftlingsnummer 113718 inhaftiert. Zu dieser Nummer existiert eine Karteikarte, wo neben seinem Namen und Geburtsdatum sowie Geburtsort, als Beruf noch Bäcker und Koch angegeben sind, dazu gestempelt „20. März 1945 KLM [KZ Mauthausen, S.B.]“. Zu einem unbekannten Zeitpunkt (vermutlich Anfang 1945) wurde er in das KZ Mittelbau Dora, Außenlager Nordhausen, verlegt. Hier hatte man ihm die Häftlingsnummer 116457 zugeteilt.2
Durch britische Bomberangriffe am 3. und 4. April 1945 auf Nordhausen wurde zum Teil auch die Boelcke-Kaserne zerstört, wobei 1.300 KZ-Häftlinge unmittelbar getötet wurden. In den vom ITS recherchierten Unterlagen findet sich eine Karte mit der Häftlingsnummer Wilhelm Langs, seinem Name und seinem Geburtsdatum sowie dem Vermerk, dass er am „3./4.4.45 beim Fliegerangriff verwundet worden“ war. Weitere Informationen über ihn sind nicht vorhanden. Ungewiss ist, ob Wilhelm Lang noch lebte, als am 11. April 1945 US-amerikanische Streitkräfte das Außenlager befreiten.
Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Wilhelm Langs letzte frei gewählte Wohnadresse Poststraße 19 in Heddesheim.
- 1
Offenbar muss die Mutter hier einiges durcheinandergebracht haben, denn Wilhelm Lang wurde ja erst im Mai 1940 zu einer Zuchthausstrafe verurteilt, konnte sich also zu diesem Zeitpunkt nicht in einem KZ befunden haben. Außerdem trafen die ersten Häftlinge im zuerst eingerichteten Stammlager des Auschwitz-Lagerkomplexes erst am 20. Mai 1940 ein.
- 2
Im Januar 1945 richtete die SS in der Nordhausener Boelcke Kaserne ein Außenlager des KZ Mittelbau ein. Die Häftlinge mussten bei Firmen in der Stadt Zwangsarbeit leisten. Ab Februar 1945 nutzte die SS die Boelcke-Kaserne als zentrales Kranken- und Sterbelager für das KZ Mittelbau, in das nicht mehr arbeitsfähige, todkranke Häftlinge abgeschoben wurden. Als Unterkünfte dienten zwei leerstehende Garagenhallen. Betten und Waschgelegenheiten gab es nicht; die kranken und sterbenden Häftlinge lagen auf dem Betonboden und blieben weitgehend sich selbst überlassen. Von Januar bis Anfang April 1945 starben hier insgesamt über 3000 Häftlinge.
Quellen
Arolsen Archives
1.1.27.2 Individuelle Häftlingsunterlagen Männer KL Mittelbau (Dora), Wilhelm Lang
1.1.26.1 / 1321023 (KZ Mauthausen Lagerschreibstube, Zugänge am 27.11.1942 aus Straubing)
Korrespondenzakte TD 294193
Archiv Memorial Mauthausen
Häftlingsdatenbankauszug vom 27.4.2023
© Text und Recherche:
Sigrid Brüggemann, Stuttgart
Stand: September 2026
www.kz-mauthausen-bw.de
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28.05.1940 Anordnung der Sicherungsverwahrung
27.11.1942 KZ Mauthausen
10.04.1943 KZ Auschwitz
Frühjahr 1945 KZ Mittelbau Dora/ Außenkommando Nordhausen
Wilhelm Lang wurde am 6. Juli 1912 in Mannheim geboren und katholisch getauft. Er wohnte zusammen mit seiner Mutter in Heddesheim (im heutigen Rhein-Neckar-Kreis) in der Poststraße 19. Nach einer späteren Angabe seiner Mutter war er Arbeiter. Über sein Leben ist uns nur bekannt, dass er am 28. Mai 1940 vom Landgericht Mannheim zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und sechs Monaten (abzügl. zwei Monaten U-Haft) mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt wurde.
Im September 1942 vereinbarte Reichsjustizminister Otto Georg Thierack mit dem Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler die schubweise Auslieferung aller Sicherungsverwahrten, die bisher der Justiz unterstanden und in den Sicherungsanstalten (Abteilung im Gefängnis,in welche die Sicherungsverwahrten nach Strafverbüßung in den Maßregelvollzug überführt wurden) einsaßen, an die Polizei. Nur Gestapo oder Kripo konnten, über Antrag beim Reichsicherheitshauptamt, KZ-Einweisungen vornehmen. In den Konzentrationslagern sollten sie - wie es explizit hieß - der „Vernichtung durch Arbeit“ preisgegeben werden.
Obwohl Wilhelm Lang seine Haftstrafe noch nicht vollständig verbüßt hatte, wurde er am 27. November 1942 zusammen mit 50 weiteren "Berufsverbrechern" und Sicherungsverwahrten aus der Sicherungsanstalt Straubing in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert, wo er die Kategorie Sicherungsverwahrter („SV") und die Häftlingsnummer 15161 erhielt. Nach einem Datenbankauszug des Mauthausen-Memorial wurde er am 10. April 1943 in das KZ Auschwitz überführt. Außer diesem Eintrag in der Datenbank finden sich keine weiteren Hinweise für eine Inhaftierung im KZ Auschwitz.
Im Januar 1953 beantragte die Mutter Mathilde Lang die Ausstellung einer Sterbeurkunde, die für die Regelung einer Grundbuchangelegenheit benötigt wurde. Sie gab dabei an, die letzte Nachricht von ihrem Sohn im Dezember 1938 aus dem KZ Auschwitz erhalten zu haben1 weshalb das Grundbuchamt vermutete, dass er dort verstorben wäre. Das Grundbuchamt Heddesheim-Baden wandte sich daraufhin an das Sonderstandesamt I in Arolsen. Dies antwortete, dass in ihrer Hauptkartei nichts über einen Fall Wilhelm Lang vermerkt sei. Die Anfrage werde jedoch mit benötigten weiteren Angaben zur Person beim Internationalen Suchdienst Arolsen ITS weiterbearbeitet.
Die Quellenlage im Fall Lang blieb jedoch dünn, teils widersprüchlich, und seine „KZ-Odyssee“ lässt sich nur ungefähr nachzeichnen. Die Nachforschungen des ITS ergaben, dass Wilhelm Lang am 27. November 1942 in das KZ Mauthausen verbracht worden war. Zu einem unbekannten Zeitraum war er offenbar im KZ Groß Rosen mit der Häftlingsnummer 113718 inhaftiert. Zu dieser Nummer existiert eine Karteikarte, wo neben seinem Namen und Geburtsdatum sowie Geburtsort, als Beruf noch Bäcker und Koch angegeben sind, dazu gestempelt „20. März 1945 KLM [KZ Mauthausen, S.B.]“. Zu einem unbekannten Zeitpunkt (vermutlich Anfang 1945) wurde er in das KZ Mittelbau Dora, Außenlager Nordhausen, verlegt. Hier hatte man ihm die Häftlingsnummer 116457 zugeteilt.2
Durch britische Bomberangriffe am 3. und 4. April 1945 auf Nordhausen wurde zum Teil auch die Boelcke-Kaserne zerstört, wobei 1.300 KZ-Häftlinge unmittelbar getötet wurden. In den vom ITS recherchierten Unterlagen findet sich eine Karte mit der Häftlingsnummer Wilhelm Langs, seinem Name und seinem Geburtsdatum sowie dem Vermerk, dass er am „3./4.4.45 beim Fliegerangriff verwundet worden“ war. Weitere Informationen über ihn sind nicht vorhanden. Ungewiss ist, ob Wilhelm Lang noch lebte, als am 11. April 1945 US-amerikanische Streitkräfte das Außenlager befreiten.
Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Wilhelm Langs letzte frei gewählte Wohnadresse Poststraße 19 in Heddesheim.
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Offenbar muss die Mutter hier einiges durcheinandergebracht haben, denn Wilhelm Lang wurde ja erst im Mai 1940 zu einer Zuchthausstrafe verurteilt, konnte sich also zu diesem Zeitpunkt nicht in einem KZ befunden haben. Außerdem trafen die ersten Häftlinge im zuerst eingerichteten Stammlager des Auschwitz-Lagerkomplexes erst am 20. Mai 1940 ein.
- 2
Im Januar 1945 richtete die SS in der Nordhausener Boelcke Kaserne ein Außenlager des KZ Mittelbau ein. Die Häftlinge mussten bei Firmen in der Stadt Zwangsarbeit leisten. Ab Februar 1945 nutzte die SS die Boelcke-Kaserne als zentrales Kranken- und Sterbelager für das KZ Mittelbau, in das nicht mehr arbeitsfähige, todkranke Häftlinge abgeschoben wurden. Als Unterkünfte dienten zwei leerstehende Garagenhallen. Betten und Waschgelegenheiten gab es nicht; die kranken und sterbenden Häftlinge lagen auf dem Betonboden und blieben weitgehend sich selbst überlassen. Von Januar bis Anfang April 1945 starben hier insgesamt über 3000 Häftlinge.
Quellen
Arolsen Archives
1.1.27.2 Individuelle Häftlingsunterlagen Männer KL Mittelbau (Dora), Wilhelm Lang
1.1.26.1 / 1321023 (KZ Mauthausen Lagerschreibstube, Zugänge am 27.11.1942 aus Straubing)
Korrespondenzakte TD 294193
Archiv Memorial Mauthausen
Häftlingsdatenbankauszug vom 27.4.2023
© Text und Recherche:
Sigrid Brüggemann, Stuttgart
Stand: September 2026
www.kz-mauthausen-bw.de