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Wilhelm Rommel

(geb. 1877)

Badischer „Gewitter“-Häftling

23.08.1944 KZ Natzweiler
06.09.1944 KZ Dachau
16.09.1944 KZ Mauthausen
06.10.1944 Entlassung aus dem KZ Mauthausen

Wilhelm Rommel wurde am 5. Juni 1877 in Eibensbach geboren (das Dorf Eibensbach ist seit 1975 ein Stadtteil von Güglingen im Landkreis Heilbronn). Er war von Beruf Schmiedemeister und Arbeiter. Verheiratet war er mit Maria Rommel, hatte zwei Töchter und wohnte in der Luisenstraße 26 in Gaggenau.

Im Mai 1905 trat er der Sozialdemokratischen Partei (SPD) und dem Deutschen Metallarbeiterverband bei. 1906 wurde er in den Arbeiterausschuss der Süddeutschen Automobilfabriken in Gaggenau gewählt, dem er dann lange Jahre als Vorsitzender angehörte. 1919 wurde er zum Betriebsrat und zu dessem Vorsitzenden gewählt. 1916 bis 1933 war er Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Gaggenau und 1919 bis 1933 Stadtrat der Stadt Gaggenau.

Image
Rommel Effekten
Auflistung der persönlichen Kleidungsstücke und Gegenstände beim Eintritt ins KZ, ITS Digital Archive, Arolsen Archives, DocID: 3223336

Vermutlich am 22. August 1944 wurde er wie zahlreiche Andere im Rahmen der nach dem Umsturzversuch des 20. Juli 1944 erfolgten reichsweiten Verhaftungsaktion „Aktion Gewitter“ (auch Aktion Gitter und Aktion Himmler genannt) verhaftet. Die Gestapoaktion „Gewitter“ betraf ehemalige Funktionäre und Mandatsträger der Sozialdemokraten, Kommunisten,der Zentrumspartei sowie weiterer Parteien der Weimarer Republik. Am folgenden Tag wurde Rommel von der Gestapo – Stapoleitstelle Karlsruhe – in das Konzentrationslager Natzweiler im Elsass eingewiesen (Häftlingsnummer 23149 „Pol RD“ - politisch reichsdeutsch). Als das Lager Natzweiler angesichts der näherrückenden Front wenig später aufgelöst wurde, kam er per Sammeltransport vom 4./6. September 1944 in das KZ Dachau (Häftling Nummer 101865). Bereits am 14./16. September 1944 erfolgte jedoch, ebenfalls per Sammeltransport, die Überstellung in das Konzentrationslager Mauthausen (Häftlingsnummer 99015 „Pol“). Zum Arbeitseinsatz kam er in das KZ-Außenlager Linz. Am 6. Oktober 1944 kehrte er wieder in das Hauptlager Mauthausen zurück, wo er noch am selben Tage entlassen wurde.

Wilhelm Rommel lebte nach dem Krieg in Köln. Eine der beiden Töchter war nach Großbritannien ausgewandert. Sie hatte den Kontakt verloren und erkundigte sich deshalb im September 1945 besorgt beim Suchdienst der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen (Central Tracing Bureau UNRRA) nach dem Befinden und den Lebensumständen ihres Vaters und ihrer Schwester. Über die Hilfsorganisation konnte sie erfahren, dass beide wohlauf seien, und auf ein baldiges Wiedersehen hofften.

Für Wilhelm Rommels Wiedergutmachungsangelegenheiten war die Außenstelle des Landesamts für die Wiedergutmachung in Freiburg in der Maria-Theresia-Straße 10 zuständig. Seine Wiedergutmachungsakte wurde im Februar 1959 geschlossen.

1958 verlieh ihm die Stadt Gaggenau den Ehrenbürgertitel. Am 18. Juni 1963 erhielt die Oberstaatsanwaltschaft Köln von Internationalen Suchdienst (ITS) in Arolsen einen KZ-Dokumentenauszug betreffs Wilhelm Rommel.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Wilhelm Rommels Wohnsitz zum Zeitpunkt seiner Verhaftung: Luisenstraße 26 in Gaggenau im Landkreis Rastatt.

 

Quellen

ITS Digital Archive, Arolsen Archives
1.1.29.2 Individuelle Unterlagen Natzweiler – Wilhelm Rommel
DocID: 10737683 (Wilhelm Rommel)
1.1.26.3 Individuelle Unterlagen Männer Mauthausen – Wilhelm Rommel
Korrespondenzakte T/D 55478

Staatsarchiv Freiburg
D 180/2 Nr. 180247 (Spruchkammer)
F 196/1 Nr. 522 (Wiedergutmachung)


© Recherche und Text:
Roland Maier, Stuttgart
Stand: Oktober 2023
www.kz-mauthausen-bw.de