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Wilhelm Hofmann (1906 - 1940)

Angehöriger der Gruppe der Fichtenauer Jenischen

27.06.1938 KZ Dachau
21.03.1939 KZ Mauthausen
28.01.1940 gestorben im KZ Mauthausen

Wilhelm Hofmann wurde am 11. November 1906 in Wildenstein nahe Crailsheim, heute Gemeinde Fichtenau, geboren. Er war der Sohn von Barbara Hofmann geborener Frey und Johannes Hofmann. Der Vater wohnte in Wildenstein, war katholisch und arbeitete als Bürstenmacher und Händler.
Im Standesamt der Gemeinde Fichtenau ist das Geburtenbuch von Wildenstein erhalten. Dem Eintrag für Wilhelm Hofmann sind drei Hinweise beigeschrieben: erstens der auf das Familienregister „i. F. R. II 157“, zweitens „Gestorben am 28.1.1940 in Mauthausen, Marbach No. [so, UG] 405/40“ und drittens „Der Tod des Wilhelm Hofmann ist beim Sonderstandesamt Arolsen Kreis Waldeck unter Nr. 1280 Abt. M/1961 neu beurkundet worden“.
Wilhelm Hofmann war verheiratet und hatte vier Kinder. Er wohnte erst im benachbarten Lautenbach, zuletzt in der Gerberstraße 5 in Pforzheim.
Verhaftet wurde er am 14. Juni 1938, „Einweis[ende] Dienststelle“ war die „K.L.St.“, die Kriminalpolizeileitstelle, Stuttgart.
Am 27. Juni 1938 wurde Wilhelm Hofmann mit seinen Mithäftlingen ins Konzentrationslager Dachau eingewiesen. Die erhaltenen Häftlingsunterlagen aus dem KZ, heute beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen (Arolsen Archives), bezeichnen ihn als katholisch, verheiratet und Vater von vier Kindern. Laut den Unterlagen war er Hilfsarbeiter. Seine Häftlingskategorie war „A.Z.R.“ (Arbeitszwang Reich), seine Häftlingsnummer 17626.
Offenbar wurde er am selben Tag wie Kaspar Schneck in das KZ Dachau eingeliefert. Auch Wilhelm Hofmann war Opfer einer von der Kriminalpolizei durchgeführten Massenverhaftung der sogenannten "Aktion Arbeitsscheu Reich". Bei dieser am 13. Juni 1938 einsetzenden Aktion wurden reichsweit 9.497 Personen verhaftet.1 Die Männer aus dem Bereich der Kripoleitstelle Stuttgart wurden in das KZ Dachau eingewiesen.
Wilhelm Hofmann wurde nach einem dreiviertel Jahr von Dachau in das KZ Mauthausen überstellt. Sein Name steht in den Mauthausen-Dokumenten auf einer Liste von „Vorbeugungs-Häftlingen (A.Z.R.)“, die am 21. März 1939 nach Mauthausen überstellt wurden (siehe Quellen, in der Auskunft des ITS vom 29.09. 2011, im 5. Dokument). An diesem Tag kamen rund 700 Dachauer Häftlinge in das KZ Mauthausen.2 Im KZ Mauthausen wurde Wilhelm Hofmann auch in ein „Verzeichnis derjenigen Häftlinge, die einen Wehrpaß erhalten haben“ eingetragen.
Weniger als ein Jahr später, am 8. Februar 1940, meldete der SS-Unterführer im KZ Mauthausen Johann Knockl dem zuständigen Standesamt in Mauthausen-Marbach, dass Wilhelm Hofmann am 28. „Jänner“, also: Januar, an Herz- und Kreislaufschwäche infolge Grippe verstorben sei. Der Eintrag ins Marbacher Sterberegister enthält Angaben zu Wilhelm Hofmanns Leben vor der Verhaftung: er habe zuletzt in Pforzheim in der Gerberstraße 5 gewohnt und sei verheiratet gewesen mit Katharina W[?, Name unleserlich, UG]. Diese Meldung wurde in das Sterberegister von Mauthausen-Marbach unter der Nr. 405/1940 eingetragen. Der Eintrag war von Knockl selbst und von Frau Maria Rieth in Vertretung des Standesbeamten unterzeichnet. Maria Rieth unterschrieb auch einen vermutlich nachgetragenen Hinweis am Rand der Sterbeurkunde: Er ist nur schwer leserlich, besagt aber wohl, dass der erste Eintrag „Greilsheim“ als Geburtsort von Herrn Hofmann zu „Crailsheim“ berichtigt wurde. Dies bezeichnet die tatsächlichen Verhältnisse zumindest ungefähr.
Im Totenbuch von Mauthausen ist Wilhelm Hofmann mit seiner Häftlingsnummer 1176 genannt.
In dem im Jahr 1999 erschienenen Buch von Hasso von Haldenwang über die Wildensteiner Hausierhändler ist das Schicksal von Wilhelm Hofmann nicht erwähnt.

Der Text auf den beiden Gedenktafeln in der Gemeinde Fichtenau im Kreis Schwäbisch Hall (von 2014 und 2019):
„Wir gedenken
Unter den Fichtenauer Jenischen hat es Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933-45 gegeben. In verschiedenen Konzentrationslagern wurden sechs von ihnen ermordet:
Bermanseder, Anton, ermordet am 14.03.1939 im Konzentrationslager Dachau
Gensmantel, Alois, ermordet am 28.01.1945 im Konzentrationslager Melk a.d. Donau (Außenlager des KZ Mauthausen)
Herbinger, Bruno, ermordet am 02.09.1942 im Konzentrationslager Buchenwald
Hofmann, Wilhelm, ermordet am 28.01.1940 im Konzentrationslager Mauthausen
Hofmann, Johannes, ermordet am 13.03.1944 im Konzentrationslager Natzweiler
Waizenhöfer, Max, ermordet am 20.04.1939 im Konzentrationslager Mauthausen
Pfisterer, Wilhelm, am 20.04.1939 im Konzentrationslager Mauthausen entlassen, seitdem verschollen
Ihnen gilt unser Gedenken, ebenso allen anderen Opfern des Nationalsozialismus, gleich welcher nationalen, ethnischen, kulturellen oder sozialen Zugehörigkeit.“

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Wilhelm Hofmanns letzte Wohnadresse Gerberstraße 5 in Pforzheim.

  • 1

    Vgl. Jens Kolata: Zwischen Sozialdisziplinierung und „Rassenhygiene“, in: Ingrid Bauz u.a.: Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern S. 330. 

  • 2

    Hans Maršálek: Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. Wien Linz 3. Aufl. 1995, S. 110.

Quellen:


Internationaler Suchdienst Bad Arolsen, Auskünfte vom 02.06.2010 und 29.09.2011. Darin Scans der folgenden Dokumente nach ihren Nummern:
1. Nr. 9902752#1 (1.1.6.1/0001-0189/0062/0067) Alphabetisches Verzeichnis der Häftlinge (Nachkriegsaufstellung) A-Z
2. Nr. 9892436#1 (1.1.6.1/0001-0189/0005/0058) KZ Dachau -Zugangsbuch-
3. Nr. 9913051#1 (1.1.6.1/0001-0189/0117/0017) KZ Dachau -Transportliste nach KZ Mauthausen, Hofmann W. lfd. Nr.226-
4. Nr. 1312391#1 (1.1.26.1/0189-0307/0221/0006) KZ Mauthausen -Hofmann, W. lfd. Nr. 83-
5. Nr. 1292657#1 (1.1.26.1/0001-0188/0108/0048) KZ Mauthausen
6. Nr. 1289168#1 (1.1.26.1/0001-0188/0071/0004) KZ Mauthausen -Totenbuch- Hofmann W., lfd. Nr. 402-
7. Nr. 1285700#1 (1.1.26.1/0001-0188/0051/0041) KZ Mauthausen -Zu- und Abgangsbuch-.
 

Standesamt der Gemeinde Fichtenau, Auskunft vom 29.08. 2011. Scan des Geburtenregistereintrags.
 

Hasso von Haldenwang: Die Jenischen. Erinnerungen an die Wildensteiner Hausierhändler. Crailsheim 1999 (=Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte und Heimatkunde in Württembergisch Franken; Band 17).
 

Für Wilhelm Hofmann gibt es einen Eintrag im „Raum der Namen“ in der Gedenkstätte des früheren Konzentrationslagers Mauthausen, siehe die Internet-Datei https://www.gedenkstaetten.at/raum-der-namen/cms/index.php?id=4&p=750."

 

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