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Wilhelm Harter (1901 - 1986)

KPD-Vorsitzender in Haslach

22.08.1944 KZ Natzweiler
06.09.1944 KZ Dachau
16.09.1944 KZ Mauthausen
21.10.1944 Entlassung aus dem KZ Mauthausen

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Wilhelm Harter. Stadtarchiv Haslach mit freundlicher Erlaubnis

Wilhelm Harter (genannt: der „Harter-Willi“) wurde am 15. Juni 1901 in Haslach (heute: Haslach im Kinzigtal, Ortenaukreis) geboren. Nach dem achtjährigen Besuch der Volksschule in Haslach erlernte er den Beruf des Schriftsetzers und war später bei der Lokalzeitung „Anzeiger vom Kinzigtal“ beschäftigt. 1929 heiratete er Paula Franz. Mit ihr wohnte er in der Pfarrgasse 9 in Haslach.

Politisch war er links orientiert und verstand sich als Anwalt der „kleinen Leute“. Während der Zeit der Weimarer Republik trat er in die Kommunistische Partei ein und wurde Vorsitzender der Haslacher Ortsgruppe der KPD. Seine Partei erhielt bei der Reichstagswahl vom November 1932 den über dem Reichsdurchschnitt liegenden Stimmenanteil von 18,9 Prozent. Als in der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 in Haslach die Erwerbslosigkeit grassierte, gründete er in seinem Heimatort eine Arbeitslosenkommission. Außerdem war er Herausgeber der Lokalzeitung „Haslach's roter Scheinwerfer“. Bei der sogenannten „Machtergreifung“ Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 organisierte er über die Arbeitslosenkommission eine große Protestkundgebung und agitierte als Redner gegen den Faschismus.

Als politischer Gegner der Nationalsozialisten wurde Harter am 27. Februar 1933 zusammen mit weiteren Haslacher Kommunisten und Sozialdemokraten verhaftet und musste einige Zeit im Schutzhaftlager Ankenbuck bei Villingen zubringen.

Seine Gegnerschaft zum NS-Regime scheint er auch danach nicht immer verhohlen zu haben. Im Jahr 1938 wurde er vor dem Sondergericht Mannheim angeklagt wegen Äußerungen über die außenpolitischen Verhältnisse und Reichsstatthalter Robert Wagner1, die er angeblich in den Orten Hausach, Haslach und Gutach getan haben sollte. Rechtsgrundlage für die Anklage bildete Paragraph 2 des Gesetzes „gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei“ vom 20. Dezember 1934, der unerwünschte politische Meinungsäußerungen kriminalisierte. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt.

Im Zusammenhang mit der Aktion „Gewitter“ (auch Aktion Gitter oder Aktion Himmler genannt - näheres dazu im Abschnitt "Gewitter"-Häftlinge unter politische Häftlinge), einer nach dem Umsturzversuch des 20. Juli 1944 erfolgten reichsweiten Verhaftungsaktion, wurde er im August 1944 erneut festgenommen. Die Gestapoaktion „Gewitter“ betraf ehemalige Funktionäre und Mandatsträger der Sozialdemokraten, Kommunisten und der Zentrumspartei sowie weiterer Parteien der Weimarer Republik. Am 22. August 1944 wurde er von der Gestapo – Stapoleitstelle Karlsruhe – in das Konzentrationslager Natzweiler im Elsass eingewiesen (Häftlingsnummer 23160).

Als das Lager Natzweiler wenig später kriegsbedingt aufgelöst wurde, kam er per Sammeltransport vom 4./6. September 1944 in das KZ Dachau (Häftlingsnummer 102054 „Sch.“ - Schutzhaft). Bereits am 14./16. September 1944 erfolgte jedoch, ebenfalls per Sammeltransport, die Weiterverschickung in das Konzentrationslager Mauthausen. Auf diesem Transport war er - wie die fortlaufenden Häftlingsnummern nahelegen - unmittelbar zusammen mit den "Gewitter"-Häftlingen Franz Roth aus Rastatt (Nr. 102055), Fritz Groß aus Baden-Baden (Nr. 102056), Julius Müller aus Offenburg (Nr. 102058) und Otto Schneider, ebenfalls aus Offenburg (Nr. 102059). In Mauthausen erhielt Harter die Häftlingsnummer 90214 mit der Häftligskategorie „Polit. RD“ (= politisch, reichsdeutsch). Harter, der im KZ als Beruf „Automateneinsteller“ angegeben hatte, war bis zum 6. Oktober als Dreher im KZ Mauthausen-Außenlager „Saurerwerke“ in Wien-Simmering beschäftigt. Hier wurden vor allem politische Häftlinge aus unterschiedlichen Nationen eingesetzt. Die Saurerwerke waren auf Kettenfahrzeuge und LKW spezialisiert; entsprechend wurden die KZ-Häftlinge bei der Fertigung von Panzerschleppern verwendet. Harters Entlassung in die Freiheit erfolgte am 21. Oktober 1944. Anschließend kehrte er in seine Heimat zurück.

Nach dem Krieg wurde Harter von der französischen Besatzungsmacht in das Haslacher Gemeinderatskomitee berufen.2 Außerdem hatte er in Haslach die Stellung eines Waldmeisters inne. Später arbeitete er bis zu seiner Verrentung bei der Firma Erich Neumayer in Hausach. In der Zeit von 1953 bis 1965 kandidierte er auf einer unabhängigen Liste und wurde regelmäßig in den Gemeinderat gewählt. Wilhelm Harter ist am 19. Januar 1986 in Haslach gestorben.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt die Pfarrgasse 9 in Haslach, wo er zur Zeit seiner Verhaftung 1944 wohnte.

 

  • 1

    Robert Wagner (1895-1946) wurde am 5. Mai 1933 zum Reichsstatthalter von Baden ernannt.

  • 2

    Hildenbrand S. 589.

Quellen und Literatur:

Arolsen Archives
Korrespondenzakte TD 795816 
DocID: 124779147 ff. (KL Mauthausen, Wilhelm Harter)
DocID: 124779150, 124779152
DocID: 130432297 (Zugangsbuch Dachau)
DocID: 128452119 (Transportliste Dachau – Mauthausen)

Generallandesarchiv Karlsruhe
507 Nr. 7826 (Sondergericht Mannheim 1938)

Staatsarchiv Freiburg
D 180/2 Nr. 22304 (Spruchkammer)
F 196/1 Nr. 1242

Manfred Hildenbrand: Wilhelm Harter, in: Ders., Haslach im Kinzigtal. Geschichte einer alten Marktstadt. Band 3. Vom demokratischen Neubeginn bis zu Haslacher Persönlichkeiten und Flurnamen. Band 4,3 der Veröffentlichungen des Stadtarchivs Haslach. Haslach 2009, S. 926.

 

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